Rezension | Mein geliehenes Herz von Shivaun Plozza

Rezension | Mein geliehenes Herz von Shivaun Plozza

Titel: Mein geliehenes Herz | Originaltitel: Tin Heart | Autor: Shivaun Plozza | Übersetzer: Sylke Hachmeister | Verlag: Carlsen | Erscheinungsdatum: 05.03.2020 | Seitenzahl: 368 | Altersempfehlung: ab 14

Ein Herz ist ein Herz ist ein Herz – eine mitreißende Geschichte über die Liebe, die Freundschaft und das Leben mit einem neuen Herzen.

Marlowe hat ein neues Herz bekommen und eigentlich sollte jetzt alles gut sein. Doch die Frage, wem sie das zu verdanken hat, lässt sie nicht los. Und so macht Marlowe sich auf die Suche nach der Familie ihres Spenders und findet schließlich seine Schwester. Die beiden freunden sich an, doch Marlowe verschweigt, wer sie wirklich ist. Je länger sie schweigt, desto schwieriger wird es, die Wahrheit zu sagen. Und dann ist da noch Leo von nebenan, der ihr Herz aus einem ganz anderen Grund zum Stolpern bringt.

Eine gelungene Organtransplantation nach einer schweren Krankheit heißt noch lange nicht, dass danach alles gut ist. Wer bin ich jetzt? Was will ich vom Leben, wenn ich endlich wieder normal leben kann? Wie gehe ich mit Eltern, Geschwistern und Freunden um und wie mit dem Wissen bzw. dem Nichtwissen, wer mein Spender ist oder war?

Lauter Fragen, die den Blick auf das Leben verändern und denen in diesem ebenso berührenden wie witzigen Roman für Jugendliche ausreichend Raum gegeben wird. Und eine Liebesgeschichte zum Dahinschmelzen fehlt auch nicht.

Ein packendes, feinfühliges Buch über das Leben nach einer Organtransplantation.

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Ich habe mich so sehr auf diese Übersetzung gefreut, dass ich es kaum abwarten konnte und meine Erwartungen wirklich hoch waren!

Ein wahres Herzensbuch

Mit der Überschrift habe ich gar nicht vor den hundertsten Wortwitz zum Buch zu reißen – es ist wirklich ein Herzensbuch. Die Thematik Transplantation finde ich generell nicht nur wahnsinnig wichtig, sondern auch interessant. Dass Shivaun Plozza hier die Möglichkeit nutzt und mit ihrer Stimme dem Thema eine Plattform bietet ist schon vom Ansatz her super stark. Doch es sind vor allem all die kleinen Emotionen, die dafür sorgen, dass einem Marlowe, ihre Mitmenschen und die Story an sich so ans Herz gehen.

Vor allem im weiteren Verlauf der Handlung wird klar, dass Marlow auch ihre Macken hat, nicht zuletzt, weil sich ihre Kindheit/Jugend eben so ganz anders gestaltet hat, als es eigentlich der Fall sein sollte. Allerdings hat sie mich nie genervt, wenn überhaupt konnte ich bestimmte Entscheidungen und Handlungen nicht ganz nachvollziehen oder hätte mich einfach selbst anders entschieden. Doch diese kleinen Reibungspunkte muss es hier einfach geben.

Das wohl größte Thema, bzw. die größte Frage ist hier aber folgende:
Kontakt zu Spenderfamilien.
Mir hat es teilweise wirklich fast das Herz gebrochen. Gerade weil man die Geschichte aus Marlowes Sicht verfolgt, kann man ihren Herzenswunsch absolut nachempfinden, die Familie von ihrem Organspender kennenzulernen. Die Familie hingegen möchte aber genau das nicht. Es ist eine wirklich sehr moralische Frage und auch die Herangehensweise hier lässt vieles offen. Doch auch das ist wichtig – denn ein wirkliches Richtig oder Falsch gibt es nicht in dem Sinne. Viel mehr wird hier die Möglichkeit geboten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Es sind die kleinen Dinge

Um noch einmal zurück zu den Charakteren zu kommen:
Marlowe selbst ist einfach unglaublich facettenreich und interessant, ebenso ihr Umfeld. Im ersten Moment hatte ich kurz die Angst, dass hier alles ein wenig zu gewollt ist, durfte dann aber zum Glück feststellen, dass die Autorin das Ganze wirklich schön und stimmig umgesetzt hat.
Marlowes kleiner Bruder Pip ist eine umwerfende Persönlichkeit – mit einem Selbstbewusstsein und einer Einstellung, die einfach nur bewundernswert ist, schafft er es jeden Tag mit einem neuen Tag zu trumpfen und seinen Empfindungen Ausdruck zu verleiehen. Die Mutter der beiden kommt einer typischen Öko-Mutti ziemlich nah, doch am besten sind die Sachen nicht nur gesund, sondern auch vegan. Entsprechend hat sie ihren eigenen kleinen Laden aufgemacht und wo sollte der anders stehen als neben einem Metzger.

Mit ihrer doch leicht militanten Art schafft es Marlowes Mutter sie und ihren Bruder doch immer wieder auf Trab zu bringen und dem Leser ein Lächeln abzugewinnen. Mehr oder weniger genau dadurch kommt auch noch ein kleiner Platz für eine Lovestory frei, die unterhaltsam und nett ist, dem Thema aber nicht die Show stehlt. Viel eher dreht sich die geschcihte im Fokus um die moralische Frage, welchen Weg Marlowe nun einschlagen sollte – ihrem Wunsch folgen oder Rücksicht auf die Spenderfamilie zu nehmen, wie sich ihr Leben nun generell gestaltet und vor allem um den Wert von Freundschaft und dem Leben selbst.

Shivaun Plozza hat mit Mein geliehenes Herz eine unglaubliche schöne Story geschaffen. Die Thematik mit der Organspende wird viel zu wenig besprochen, hier findet sie dann auch gleich einen emotionalen und vor allem auch moralischen Anklang. Tatsächlich war die Geschichte wesentlich weniger traurig als ich gedacht hätte, dadurch aber nicht weniger beeindruckend oder nachklingend. Definitiv eine Leseempfehlung!

KAUFEN!

AUCH REZENSIERT VON: live breathe words | Nightingale’s Blog | Corni Holmes | LizzyNet | The Infinite Bookshelf

4 comments found

  1. Hi Jill…
    Eine wirklich tolle Reiz und ich stimme dir da voll und ganz zu! Ich mochte das Buch auch total gerne!

    Vielen Dank fürs verlinken ❤

    Liebe Grüße
    Nicole
    The Infinite Bookshelf

    1. Liebe Nicole,

      das freut mich sehr!
      Und nicht dafür – ich finde deinen Beitrag sehr toll und verlinke gerne Eindrücke von anderen!

      Liebe Grüße
      Jill

  2. Liebe Jill,
    das ist eine wirklich schön stimmige Besprechung zum Buch. Ich erinnere mich auch gerne zurück an die Figuren.
    Und ich bin ganz baff über die Verlinkung. Ganz lieben Dank dafür!

    Sommerliche Grüße
    Sandy

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