Rezension | You are (not) safe here von Kyrie McCauley

Rezension | You are (not) safe here von Kyrie McCauley

Titel: You are (not) safe here | Originaltitel: If these Wings could fly | Autor: Kyrie McCauley | Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn | Verlag: dtv | Erscheinungsdatum: 24.01.2020 | Seitenzahl: 400 | Altersempfehlung: ab 14

Wenn die größte Bedrohung für dein Leben dort lauert, wo du dich am sichersten fühlen solltest – in deinem Zuhause

Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung – alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern. Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause: ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird – und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen. Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen. Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren…

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Nicht nur der Klappentext hat mich absolut in seinen Bann gezogen, sondern auch die Reaktionen der ersten Leser.

Auf einmal steckt man drin

Vorweg: Für alle, die den Klappentext gerne überspringen und sich so überraschen lassen wollen, denen empfehle ich hier eine Ausnahme zu machen. Das Thema kann auf jeden Fall triggern und wird daher auch schon im Klappentext klar beschrieben.

Häusliche Gewalt ist ein Thema, das nur allzu gern totgeschwiegen wird und dabei wesentlicher häufiger vorkommt, als viele annehmen. Dafür müssen die Betroffenen nicht jeden Tag grün und blau geschlagen werden. Es ist meistens ein schleichender Prozess, sodass man die Grenzen selbst vergisst und sich in einer Situation wiederfindet, die zwar unerträglich erscheint, aber die man meist doch nicht annähernd als so krass empfindet, wie wenn man sie bei wem anders von außen beachten würde. Ich habe selbst durch diese Geschichte einige Situationen wiedererkannt, an die ich zwar nicht gerne zurückdenke, doch mit denen es mir genauso erging – ich habe sie damals nie so schlimm aufgefasst, wie jetzt im Nachhinein, wenn ich sie bei anderen wiederfinde.

Leighton ist so eine unglaublich beeindruckende Persönlichkeit, dass mein Herz auf jeder Seite mehr angeschwollen ist. Das ganze Buch über hat sie eine innere Stärke bewiesen, die ich so unglaublich beeindruckend fand. Es ist wahrlich eine Stärke, etwas so grauenhaftes zu erkennen, es sogar zu benennen und dann auch noch dagegen anzukämpfen. Es bedeutet keinesfalls, dass die Menschen, die nicht das gleiche schaffen, weniger stark wären, sie sind einfach anders gefangen in einer Situation, für die sie nicht verantwortlich sind.

Leise, aber dafür umso stärker

Auch, wenn Kyrie McCauley natürlich auf etwas hinarbeitet, so wirkt die Geschichte wesentlich ruhiger, als ich es von vielen über diese Thematik gewohnt bin. Mit ihren Krähen hat sie nicht nur einen außergewöhnlichen Stil gewählt, der der Situation etwas Übernatürliches verleiht, sondern eigentlich sogar den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen. Es beschreibt diesen Ausnahmezustand, in dem sich die Betroffenen befinden, alles wirkt so surreal, man verliert sich und manchmal auch seinen eigenen Wert und die eigene Bedeutung.

Kaum habe ich mit dem Buch begonnen, war ich wie gefangen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Es ist nicht die gewohnte Spannung der Handlung, sondern eher die Spannung der Atmosphäre selbst. Ein Gerüst, das jeden Moment zusammenzufallen droht. Doch so schafft es die Autorin nicht nur dieses Hauptthema aufzugreifen, sondern noch viele andere kleine Nuancen einzubauen, die so unglaublich wichtig sind. Diese Geschichte hat mir nicht nur selbst geholfen, sie hat mir auch so vieles gezeigt und ich kann nur hoffen, dass es vielen weiteren Lesern genauso ergehen wird.

Es geht bei You are (not) safe here einfach umso unglaublich viel – es geht um Freundschaft, Familie, Mut, Stärke und Vertrauen. Es wird nicht nur häusliche Gewalt in den Fokus gesetzt, sondern auch Ausgrenzung und Rassismus. Was es bedeutet, wenn Menschen wegschauen oder sich sogar erdreisten über dein Leben bestimmen zu können. Dir zu sagen, dass du das über dich ergehen lassen musst, weil es eben deine Aufgabe ist. Eins der wichtigsten Bücher, die ich je gelesen habe.

You are (not) safe here von Kyrie McCauley hat mich nicht nur von der ersten Seite an eingenommen, sondern einfach überrollt. Für mich ist es eins der wichtigsten und bedeutsamsten Bücher, die ich je gelesen habe, das mir geholfen und mir etwas beigebracht hat. Ein Buch, von dem ich mir sehnlichst wünsche, das es noch viele weitere Menschen so erreichen wird.

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3 comments found

  1. Hallo Jill,

    wow, was für eine tolle Rezension! Ich finde es unglaublich wichtig, dass mehr über das Thema häusliche Gewalt gesprochen wird und man es eben nicht leise geschehen lässt. Deshalb bin ich umso neugieriger, wie es in diesem Buch umgesetzt wurde, vor allem die starke Protagonistin interessiert mich sehr. 🙂

    Herzliche Grüße,
    Kathi

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