Blogtour | Dear Evan Hansen – Wieso bist du so?

Blogtour | Dear Evan Hansen – Wieso bist du so?

Als mich Jess von Schattenwege gefragt hat, ob ich bei der Blogtour dabei sein möchte, habe ich mich wahnsinnig gefreut. An mir ist der Hype um das Musical tatsächlich vorbeigegangen und trotzdem war ich unglaublich gespannt auf die Geschichte.

Wer sich bereits durch die anderen Beiträge geklickt hat, der wird schon gemerkt haben, dass diese Aktion ein bisschen anders ist. Privater, intimer. Dear Evan Hansen beschäftigt sich mit wirklich wichtigen Themen, die einigen selbst im Alltag begegnen, man aber oftmals nicht so ehrlich darüber reden mag oder auch nicht kann. So haben wir alle auch private Erfahrungen mit in unsere Beiträge einfließen lassen. Ich für meinen Teil muss auch sagen, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wann mich ein Buch wirklich getriggert hat – Dear Evan Hansen hat genau das geschafft.

Nobody Deserves to be Forgotten

Ein nie für die Augen anderer bestimmter Brief lässt Evan Hansen als engsten Freund eines toten Mitschülers erscheinen. Dem einsamen Evan eröffnet sich durch dieses Missverständnis die Chance seines Lebens: endlich dazuzugehören. Evan weiß natürlich, dass er falsch handelt, doch nun hat er plötzlich eine Aufgabe: Connors Andenken zu wahren und den Hintergründen seines Todes nachzuspüren. Alles, was er tun muss, ist weiter vorzugeben, Connor Murphy habe sich vor seinem Selbstmord allein ihm anvertraut. Plötzlich findet sich der unsicht- und unscheinbare Evan im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sogar der des Mädchens seiner Träume – Connors Schwester.

Bei den starken Beiträgen ist es gar nicht so leicht da mitzuhalten, vor allem dann nicht, wenn man etwas von sich mit einbringen möchte, das man sonst eher für sich behält. Wir alle kennen die gesellschaftlichen Erwartungen, wie wir uns bei Begegnungen zu verhalten haben, soziale Umgangsformen, die dem einen vollkommen leicht fallen und anderen wiederum nicht.

Wieso kommst du nicht mit?

Egal, ob es darum geht abends um die Häuser zu ziehen, zum See zu fahren oder andere Unternehmungen. Ich persönlich bin gerne mal allein, ich brauche die Zeit sogar. Für viele Menschen ist es aber nicht verständlich, wieso man sich solchen Ausflügen „verweigert“, nur um dann lieber allein zu sein. Manchmal hat es einzig und allein den Ursprung, dass man eben keine Lust hat, Punkt. Und manch anderes Mal kann es aber auch damit zu tun haben, dass man sich nicht immer dem Druck von Außen aussetzen kann. Dass man auch einfach mal eine Pause vom Lesen braucht und erst einmal Kraft tanken muss.

Du wirkst so ruhig.

Die Aussage ist natürlich flexibel, aber ich glaube mit diesem Beispiel können die meisten etwas anfangen. Ihr wart sicherlich auch schon in einer Runde, die ihr nicht komplett kennt. Neue Menschen bedeutet neue Eindrücke. Nicht nur die Eindrücke, die man selbst gewinnt, sondern vor allem diese, die man hinterlässt. Auch hier ist es so, manchen Menschen fallen neue Gegebenheiten ganz leicht, andere wollen erst einmal beobachten und bei wieder anderen entsteht das reinste Kopfkino.
Ich persönlich wirke selten ruhig. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich auf einige sogar ziemlich arrogant, hart und selbstsicher wirke – Spoiler: innerlich sterbe ich in solchen Situationen. Ich möchte ein cooles und starkes Bild hinterlassen und merke im selben Moment, wie ich total die Kontrolle verliere. Wie mein Mund einfach Sachen ausplaudert und gar nicht mehr aufhört. Ich eine Art an den Tag lege, die eigentlich gar nicht meine ist, zumindest nicht in einem fremden Umfeld.
Ich weiß, dass der erste Eindruck für uns alle wichtig ist, daher entscheiden wir, ob wir einen Menschen näher kennenlernen wollen oder auch nicht, da bin ich kein Stück anders. Aber auch ich muss mich dann oft ermahnen, auch mal weitere Chancen einzubauen, um meinem Gegenüber vielleicht erst einmal eine Situation zu ermöglichen, in der er mehr er selbst sein kann.

Du grüßt ja nie!

Recht nahe an der vorherigen Situation – Leute, es ist der Horror für mich zu einer Gruppe dazuzustoßen, je größer, desto unangenehmer. Wenn ich von Anfang an dabei bin, kann ich mir meine kleine Bubble aufbauen und fühle mich meistens sicherer. Aber in eine bereits bestehende Gruppe zu stoßen fällt mir unglaublich schwer. Ich kann dann einfach nicht die Runde gehen und alle begrüßen, auch wenn ich dazu aufgefordert werde. Was ist, wenn mich irgendwer nicht leiden kann? Sich nicht an mich erinnert? Und genau das alle mitbekommen würden?

Worst Case

Auch, wenn sich das Alles jetzt im Nachhinein vielleicht anders liest – mir geht es wirklich gut! In der Regel habe ich meinen Weg gefunden und fahre auch sehr gut damit. Das Glück haben aber eben nicht alle und manchmal auch gar nicht die Möglichkeit. Meine Jugend hatte einen wirklich unschönen Einstieg, viele kennen es sicher – ich habe das Leben nicht verstanden oder hatte vielmehr das Gefühl, dass das Leben mich nicht versteht. Für viele ist das zwar eine sehr prägsame Zeit, aber eben auch eine, die zum Glück einfach vorbeigeht. Bei mir ging es irgendwann soweit, dass ich nur noch einen Weg, eine Option gesehen habe. Quasi die Endstation. Mit viel Kraft und Arbeit bin auch ich da wieder rausgekommen. Ich hatte immer das Gefühl, dass man über so etwas nicht reden sollte, vor allem nicht vor Fremden oder in der Öffentlichkeit. Bis mir irgendwann aufgefallen ist, dass ich mit niemandem darüber spreche. Dass die meisten Menschen, die mich jetzt kennen gar nichts darüber wissen, obwohl auch diese Zeit zu mir gehört. Neulich saßen wir in einer Rune und ich meinte nur „In meiner Jugend hab ich wirklich Scheiße gebaut.“, das hat meinen Partner total schockiert, woraufhin er zu mir gesagt hat „Hör auf das SO zu sagen, das stimmt überhaupt nicht. Du hast gar nichts Dummes gemacht oder Scheiße gebaut.“ Und tatsächlich ist mir in diesem Moment, das erste Mal in meinem Leben aufgegangen, dass das stimmt. Es war ein Hilferuf und der ist immer wichtig und nie etwas falsches.

Respekt & Akzeptanz

Ihr müsst nicht alle mögen, genauso wenig, wie euch alle mögen. Aber im Alltag zu bedenken, dass es Menschen gibt, denen manche Schritte schwerer fallen und das zu respektieren, bringt uns alle einen Schritt weiter. Wenn ihr merkt, dass es Menschen aus eurem Bekanntenkreis so geht, hilft Akzeptanz oftmals ungemein. Und wenn ihr merkt, dass es euch so geht, denkt daran: es ist ok, nicht ok zu sein.

Natürlich haben wir auch etwas für euch, weil wir die Geschichte Dear Evan Hansen gerne mit euch teilen möchten! Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an den Verlag. Pro Blogbeitrag, den ihr kommentiert, könnt ihr ein Los sammeln – bedenkt dabei aber bitte, die jeweilige Gewinnspielfrage zu beantworten. Außerdem habt ihr die Möglichkeit Zusatzlose auf Instagram zu sammeln, indem ihr das Tamplate nutzt, das wir jeden Tag in unseren Storys hochladen.
Also, versucht euer Glück und nutzt die Chance auf eins von drei Printexemplaren!

Ich möchte gerne wissen: fällt es euch leicht, über solche Themen zu sprechen? (Ihr müsst nichts preisgeben, was euch unangenehm ist!)

Teilnahmebedingungen:

Jeder Beitrag enthält eine individuelle Frage zum Beitrag, die in den Kommentaren des Beitrages beantwortet werden muss.
Pro sinnvoll beantworteter Frage kommt für den Teilnehmer ein Los in den Lostopf.
Teilnahme ab 18 Jahren oder mit Einwilligung des /der Erziehungsberechtigten.
Es zählen nur die Antworten, die als Kommentar unter den jeweiligen Blogbeiträgen bis zum Samstag, 07.09.2019, 20:00 Uhr abgegeben werden. Ausgelost wird am Sonntag, den 08.09.2019.
Eine Barauszahlung und der Rechtsweg sind ausgeschlossen.
Die Teilnahme ist gleichzeitig das Einverständnis, dass der Name im Gewinnfall öffentlich genannt und die Adresse zum Zwecke des Gewinnversands an den cbj-Verlag übermittelt werden darf. Die Adresse wird nur zu Gewinnspielzwecken gespeichert und nach Versand der Gewinne gelöscht.
Der Versand der Gewinne erfolgt innerhalb der EU und in die Schweiz.
Für den Verlust auf dem Versandweg wird keine Haftung übernommen.
Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder ein Pseudonym sind unzulässig und werden komplett von der Auslosung ausgeschlossen.

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11 comments found

  1. Also ich finde es je nach dem leicht oder auch schwierig. Wenn es sich um Leute handelt, wo ich denke sie verstehen es nicht oder wo ich weiß das es eher negativ auf mich zurück geworfen wird, da spreche ich natürlich nicht gern drüber. Wenn es aber bei Freunden, Familie oder Therapie ist, spreche ich gerne darüber damit ich besser verstanden werde und andere vielleicht auch mal ein anderen Blickwinkel drauf haben.

    Liebe Grüße

    1. Liebe Vanessa,

      in solchen Situationen kann ich deine Bedenken absolut nachvollziehen und in erster Linie bist du ja auch wichtig und da bringt es nichts, dich in Situationen zu bringen, die dir nicht gut tun. Ich finde es aber wirklich toll und stark, dass du da deinen Weg für dich gefunden hast!

      Liebe Grüße
      Jill

  2. Liebe Jill,
    was für ein schöner, berührender und ehrlicher Beitrag <3
    Danke, dass du das mit uns teilst.
    Bei den meisten Punkten kann ich – wie du weißt – nur mitgehen. Auch mir fällt es schwer auf eine Gruppe zuzugehen. Und auch ich bin wahnsinnig gerne für mich alleine.
    Du fehlst mir sehr, ich freue mich schon drauf mit dir gemeinsam "alleine" zu sein, die Ruhe zu genießen und trotzdem zusammen zu sein. Das geht halt nicht mit jedem.

    Das Buch interessiert mich nun auch sehr, danke für den Tipp 🙂

    LIEBE

  3. Hallo,

    ich finde es erstmal sehr stark, dass du so offen darüber sprichst. Mir fällt das tatsächlich nicht so leicht und ich erkenne erst jetzt, dass ich ähnliche Phasen vor ein paar Jahren hatte, aus denen ich schlussendlich gestärkt herausgekommen bin.

    Liebe Grüße

    Daniel

    1. Lieber Daniel,

      wenn man sich damit unwohl fühlt, dann muss man das auch auf keinen Fall machen! Mich hat der Beitrag auch ein wenig Überwindung gekostet, obwohl es so viele Jahre zurückliegt. In meinem Fall war es wohl aber eher die Erkenntnis, dass man darüber reden DARF. Aber das fällt einem meistens natürlich auch leichter, wenn man mit diesem Abschnitt schon abgeschlossen hat.

      Liebe Grüße
      Jill

  4. Liebe Jill,

    ich habe das Buch auch Anfang des Jahrs gelesen – tatsächlich bin ich durch das Musical drauf gekommen – und war auch wahnsinnig berührt von dieser Geschichte. Ich habe eure Blogtour die ganze Zeit schon verfolgt, mehr als stille Leserin, allerdings war ich auf deinen Beitrag ganz besonders gespannt – einfach, weil mich deine Meinung zu solchen Büchern immer so wahnsinnig interessiert. Hut ab daher auch für diesen wahnsinnig persönlichen Beitrag. Ich hatte nicht nur Gänsehaut, sondern habe sogar ein, zwei Tränchen verdrückt weil mich deine Worte so sehr berührt haben.

    Ich gehöre auch eher zur Gruppe Mensch, der sich gerne mal von anderen Menschen „abschottet“. Viele verwechseln Alleinsein dabei viel zu häufig mit Einsamkeit. Nur weil man alleine ist und vielleicht sogar dies eben bevorzugt, bedeutet das, nicht, dass man sich dadurch einsam fühlt. Ich war schon immer sehr gerne alleine, konnte meine Freundin schon zu Schulzeiten an einer Hand abzählen – wenn überhaupt und so ist es auch heute noch.

    Du beschreibst meine eigenen Gefühle wirklich ganz wunderbar in deinem Beitrag, denn auch mir geht es genauso, wenn ich auf neue Leute treffe. Meistens fühle ich mich dann einsam und verloren, eben genau dann, wenn man – geht man nach der Meinung der meisten – sich eben nicht einsam fühlen sollte, immerhin befindet man sich gerade in Anwesenheit vieler Menschen.

    Schon früher haben meine Eltern mich liebevoll „Eigenbrödler“ und „Einzelgänger“ genannt und irgendwie habe ich das nie abgelegt. Während es mir als Teenager dann doch etwas mehr ausgemacht hat, wenn man mich dafür belächelte; vielleicht sogar ausschloss (ich war immerhin selten bis nie dabei), ist es mir zwischenzeitlich wirklich egal geworden, was andere Menschen darüber denken. Mir ist wichtig, dass ich mich gut fühle; dass ich mich gesund fühle, dass es mir gut geht und ich mein Leben so lebe, wie ich es möchte. Wenn dies bedeutet, dass ich immer öfter mal wieder eine Auszeit von allem um mich herum brauche, dann ist das eben so. Ich bin gerne alleine, war ich schon immer und werde ich vermutlich immer sein und sehe daran nichts Falsches. Ganz im Gegenteil – Menschen sind einfach unterschiedlich und das ist auch gut so.

    (Ich kommentiere unabhängig vom Gewinnspiel, ich habe das Buch bereits.)

    Ein wirklich toller Beitrag Jill, danke dafür! Jetzt mag ich dich noch ein kleines bisschen mehr (falls das überhaupt möglich war/ist) <3

    Liebste Grüße
    Ivy <3

    1. Liebe Ivy,

      deine lieben Worte bedeuten mir unglaublich viel und ich kann sie nur zurückgeben! Mir geht es da genauso und ich bin auf deine Meinung immer ganz besonders gespannt.
      Du sagst es – alleinsein und einsam sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, natürlich müssen sie sich nicht ausschließen, aber sie gehören eben auch nicht fest zusammen. Ich bin eigentlich ziemlich froh darüber, dass ich es schaffe, auch mit mir selbst etwas anfangen zu können und genieße es dann sehr meine Zeit so zu gestalten, wie es am besten für mich ist.

      Ivy, du bist einfach wundervoll <3
      Liebste Grüße
      Jill

  5. Ich muss sagen bei den meisten Sachen bin ich sehr offen was mich angeht. Ich habe auch kein Problem mit Leuten die ich grade kennengelernt habe über ernstere themen zu reden. Aber es gibt tatsächlich einiges über das ich mich niemandem reden will. Das kann bei mir auch total von meiner Stimmung abhängen aber eigentlich heißt es immer dass mir der Mensch dem ich es erzähle extrem wichtig ist. Übrigens bin ich auch gerne mal alleine und ich bin überhaupt nicht der partymensch.

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