Rezension | All Our Hidden Gifts von Caroline O’Donoghue

Rezension | All Our Hidden Gifts von Caroline O’Donoghue

Titel: All Our Hidden Gifts – Die Macht der Karten | Autor*in: Caroline O’Donoghue | Übersetzer*in: Christel Kröning | Verlag: Carlsen | Erscheinungsdatum: 26.05.2021 | Seitenzahl: 384 | Altersempfehlung: ab 14

Faszinierend, übersinnlich, unheimlich – diese Tarotkarten öffnen die Tür in eine dunkle Welt.

Maeve Chambers ist eine Idiotin – zumindest verglichen mit ihrer Familie voller Genies. Und weil sie ihre Kindheitsfreundin Lily vergrault hat. Erst als sie im Schulkeller ein Tarotkartenspiel findet, zeigt sich ihr wahres Talent. Denn quasi über Nacht macht sie den Mädchen aus ihrer Klasse beängstigend genaue Vorhersagen. Dann verschwindet Lily, nachdem Maeve ihr ungefragt die Karten legt. Schnell wird klar, dass übernatürliche Kräfte im Spiel sind. Und es braucht besondere Talente, um Lily zu retten. Zusammen mit Lilys nichtbinärem Bruder Roe und Mitschülerin Fiona begibt sich Maeve auf eine gefährliche Suche.

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Nachdem mich die letzten beiden Romantasy Titel aus dem Carlsen Verlag nicht ganz so überzeugen konnten, war ich ein wenig skeptisch, auf der anderen Seite aber auch wieder voller Erwartungen und Vorfreude, weil die Geschichte einfach wahnsinnig cool klang!

Eine Protagonistin mit Ecken & Kanten

Sobald die Zielgruppe vom Alter her ein bisschen weiter oben angesetzt ist, kommt es ja mittlerweile immer häufiger vor, dass auch die Protagonist:innen mit Ecken & Kanten gezeichnet werden. Hier muss ich allerdings zugeben, dass ich wirklich überrascht wurde. Maeve ist schon ziemlich speziell, wird damit aber nicht automatisch als super unsympathischer Mensch dargestellt. Eher ziemlich realistisch, wenn man selbst an seine eigene Pubertät zurückdenkt. So hat sie viele Entscheidungen getroffen, die sie nicht unbedingt ins gute Licht rücken, dafür aber auch sehr reflektiert dargestellt werden – was in meinen Augen auch schon eine Menge wert ist.

Tarotkarten an sich sind jetzt weniger mein Lockmittel, doch Jugendbücher im Fantasybereich sprechen mich prinzipiell erstmal an. Und gerade hier hatte die Geschichte eben allein vom Klappentext ein paar Besonderheiten zu bieten, die aus dem 0-8-15 Klischee ein wenig herausbrechen.
Maeve schlägt nun einmal generell ein bisschen quer, da verwundert es auch nach wenigen Seiten nicht, dass sie auch bei ihren Lehrer:innen ein wenig aneckt. Zur Strafe zum Putzen und Aufräumen verurteilt, findet sie ein Tarotkarten-Set und schnell wird klar, dass hinter all dem auch ein wenig Magie im Spiel ist.

Was diesen Handlungsstrang angeht, verliert dieser allerdings an Fokus. Was am Anfang aufgegriffen wird und durchaus auch vielversprechend klingt, wird gerade im Mittelteil von anderen Themen verdrängt. So dass bei mir doch manche Fragen offen bleiben, weil die Tiefe sich dann doch verloren hat. Zum Ende hin wurde der Faden zwar wieder mehr oder weniger aufgenommen, gewinnt aber durch den zwischenzeitlichen Abfall an …Glaubwürdigkeit? Der Begriff passt nicht ganz, aber die Geschichte liest sich dadurch nicht ganz so rund.

Andere Stärken

Caroline O’Donoghue hat sich scheinbar vorgenommen, sehr auf Diversität in ihrer Story zu achten und das finde ich ohne wenn und aber gut – Punkt. Dass es einigen Leser:innen ein wenig Fehl am Platz vorkam, oder stellenweise vielleicht auch zu gewollt, kann ich dennoch nachvollziehen.
Die Idee war glaube ich, ganz wichtige Themen in einem Fantasy Setting einzubauen und dadurch auch eine Leserschaft zu treffen, die nicht immer unbedingt gezielt nach diesen Themen Ausschau hält (das soll keinesfalls als Angriff gemeint sein). Diesen Ansatz finde ich hervorragend und gerade was hier die Themen der geschlechtlichen Identität, Rassismus und Homophobie angeht, hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich sehr mit den Themen beschäftigt hat – da ich selbst aber nicht betroffen bin, kann ich euch da andere Beiträge in diesem Bezug mehr ans Herz legen.

Um beiden Ansätzen mehr gerecht werden zu können, hätten dem Buch wahrscheinlich ein paar Seiten mehr nicht geschadet, so ist die eigentliche Handlung ein wenig verloren gegangen, wenn ich selbst die anderen Themen aber sehr stark und gut präsentiert fand – aber da gehen Geschmäcker einfach auseinander und zum Ende hin hatte ich ja auch ein wenig das Gefühl, dass die eigentliche Handlung mit den Tarotkarten ein wenig verloren gewirkt hat.

Alles in allem ist und bleibt es aber ein wirklich interessantes Gesamtwerk, das auch mal Abwechslung bietet und bei dem ich nur empfehlen kann, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Es ist nicht ganz so blumig, wie man es oftmals aus dem Genre gewohnt ist, sondern weiß auch unangenehme Momente bei den Leser:innen hervorzurufen, was definitiv eine Leistung ist.

So ganz wusste ich nicht was mich bei All Our Hidden Gifts von Caroline O’Donoghue erwarten würde. Es hat sich ein wenig anders und abwechslungsreich angehört und genau das habe ich bekommen. Die Protagonistin hat ihre Ecken und Kanten, wird aber sehr reflektiert dargestellt, ebenso kann die Story mit wichtigen Themen und Tiefgang überzeugen, wenn die eigentliche Handlung dadurch auch zwischendurch mal ins Straucheln gerät.
Auf jeden Fall eine Story, die man sich mal genauer anschauen sollte!

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