Rezension | Das dunkle Flüstern der Schneeflocken von Sif Sigmarsdottir

Rezension | Das dunkle Flüstern der Schneeflocken von Sif Sigmarsdottir

Titel: Das dunkle Flüstern der Schneeflocken | Originaltitel: The Sharp Edge of a Snowflake | Autor: Sif Sigmarsdottir | Übersetzer: Ulrich Thiele | Verlag: Loewe | Erscheinungsdatum: 08.10.2020 | Seitenzahl: 432 | Altersempfehlung: ab 14

Island – schneebedeckt, düster, tödlich …

Hannah Eiríksdottir freut sich überhaupt nicht, in den kalten Norden zu ziehen. Doch das Praktikum bei der Tageszeitung entpuppt sich als spannende Gelegenheit, die erfolgreiche Influencerin Imogen Collins kennenzulernen – und schnell ist Hannah sehr beeindruckt von ihr.
Als kurze Zeit später eine Leiche in einem Lavafeld gefunden wird, sprechen alle Indizien gegen Imogen und sie wird verhaftet. Ist Imogen Collins wirklich eine Mörderin und ihr perfekter Instagram-Feed nur eine gut getarnte Fassade? Hannah beginnt, eigenmächtig zu ermitteln und gerät dabei an den Rand der Legalität …

Vor einer atmosphärischen Kulisse in Island, voller Spannung und mit cleveren Social Media-Bezügen erzählt Sif Sigmarsdóttir einen topaktuellen Nordic Noir-Thriller über Wahrheit, Lügen, die Manipulation von Big Data und den schönen Schein der Instagram-Welt.

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Auf diese Neuerscheinung habe ich mich allein schon sehr wegen der Jahreszeit gefreut. Natürlich kann man alles zu jeder Zeit lesen, aber atmosphärisch macht es eben doch manchmal einen kleinen Unterschied.

Zwei Seiten einer Medaille

In Das dunkle Flüstern der Schneeflocken geht es um Hannah und Imogen, zwei junge Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Und genau darin liegt der Punkt, beide sehnen sich eigentlich nach dem Leben des jeweils anderen, ohne sich dessen immer so bewusst zu sein und auch zu erkennen, was das manchmal mit sich bringen kann.
Ich muss leider ehrlich zugeben, dass Imogen bei mir wesentlich früher und auch mehr Sympathiepunkte sammeln konnte, was ich vorher selbst nicht gedacht hätte. Hannah ist definitiv interessant gestaltet, nur eben nicht ganz so leicht zugänglich.

Zwischen den Kapiteln gibt es immer noch kleine Social Media Posts, die von der Aufmachung her wirklich gut passen, auch wenn man am Anfang – oder zumindest ich – noch nicht so ganz zuordnen konnte, was genau diese bewirken sollen. Doch auch die restliche Handlung bietet zwar Spannung, lässt aber am Anfang noch ziemlich viel Raum für den Leser.
Ich selbst lasse mich gerne immer überraschen und lese auch den Klappentext nicht noch einmal, so kann das manchmal einer kleinen Irrfahrt ähneln, dafür ist die Überraschung danach umso größer.

Wichtige Themen, kein harter Thriller

Ich war wirklich überrascht, was hier für Themen in Angriff genommen wurden. Es geht nicht nur um Social Media, das Leben als Influencerin und was das mit sich bringt. Es geht um Selbstfindung aber auch Selbstliebe. Um traumatische Ereignisse, die einen nicht mehr loslassen und prägen.
Diese doch sehr ernste Mischung sorgt dafür, dass es sich bei Das dunkle Flüstern der Schneeflocken um alles andere als ein Wohlfühlbuch handelt. Aber das muss es auch nicht.

Das alles in einem Nordic-Thriller zu verstricken hat einen besonderen Touch und gibt vielen Szenen eine gewisse Dringlichkeit. Wer allerdings auf den großen Spannungsfaktor aus ist, wird hier vielleicht nicht unbedingt zufrieden aus der Geschichte rausgehen. Das Buch hat definitiv seine Momente und sorgt auch für ein gewisses Gänsehaut-Feeling, ist aber auch kein Thriller in klassischer Hinsicht.
Sif Sigmardottir hat hier auf jeden Fall ein interessantes Jugendbuch hingelegt, was für mich persönlich zwar kein Highlight war, mich aber dennoch in gewisser Weise auch beeindrucken konnte und von dem ich hoffe, dass es mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Das dunkle Flüstern der Schneeflocken ist nicht unbedingt ein typischer Jugendbuch-Thriller, sondern punktet viel mehr mit seiner niederschmetternden Wahrheit. Es geht um Selbstfindung – nicht nur den richtigen Weg für sich zu finden, sondern generell einen Weg, sich auch selbst lieben und akzeptieren zu können. Darum, dass das Gras auf der anderen Seite nicht immer viel grüner ist und jeder sein Päckchen mit sich zu tragen hat.

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