Rezension

Rezension: Fireman / Joe Hill

„Wenn ich richtig loslege, ist es, als würden der fünfte November und der vierte Juli zusammenfallen. Wozu braucht man einen Pyrotechnicker, wenn ich zur Stelle bin?“

Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09.05.2017
Seitenzahl: 960

Eine weltweite Pandemie ist ausgebrochen, und keiner ist davor gefeit: Alle Infizierten zeigen zunächst Markierungen auf der Haut, bevor sie urplötzlich in Flammen aufgehen. Die USA liegt in Schutt und Asche, und inmitten des Chaos versucht die Krankenschwester Harper Grayson, sich und ihr ungeborenes Kind zu schützen. Doch dann zeigt auch sie die ersten Symptome. Jetzt kann sie nur noch der »Fireman« retten – ein geheimnisvoller Fremder, der wie ein Racheengel durch die Straßen New Hampshires wandelt und scheinbar das Feuer kontrollieren kann.

Vor ein paar Jahren bin ich über Joe Hill gestoßen, dass Stephen King seinem Sohn das Schreiben mit in die Wiege gelegt hat, war mir vorher einfach nicht bewusst.
Mit Christmasland konnte mich der Autor absolut begeistern, ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite weggesuchtet und war hin und hergerissen zwischen Faszination und Schrecken.
Kurz darauf habe ich mich an seiner Comic Reihe Locke & Key versucht, allerdings schnell gemerkt, dass die nun wirklich meine Grenzen überschreitet. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.
Als ich dann von dieser Neuerscheinung gehört habe, bin ich vor Vorfreude im Dreieck gesprungen, vor allem, als ich es dann auch noch vom Verlag als Rezensionsexemplar gestellt bekommen habe!

„…Na gut, in gewisser Weise sterben wir alle mitten in einer guten Geschichte. In unserer eigenen Geschichte. Oder in der Geschichte unserer Kinder. Oder unserer Enkel. Der Tod ist eine ziemliche Zumutung für alle, die spannende Geschichten mögen.“

Trotz meiner Vorfreude, oder vielleicht auch genau deshalb, ist mir der Einstieg ein bisschen schwer gefallen.
Geschmäcker sind natürlich unterschiedlich, doch ich bin Anfangs einfach nicht in den Erzählstil reingekommen. Ich persönlich mag die Ich-Perspektive sehr gerne, kann mich aber dennoch auch von einem „Erzähler“ überzeugen lassen. Hier war es mir allerdings ein wenig zu monoton und gleichzeitig sehr hochgestochen.
Gerade in Kombination, mit dem teilweise sehr derben und harten Inhalt.
Nach sage und schreibe 350 Seiten konnte ich mich dann auch richtig auf die Geschichte einlassen, was ja aber bei insgesamt 960 Seiten noch ein kleiner Teil ist…
Und nein, das wäre nicht nötig gewesen. Mindestens zu einem Drittel hätte die Geschichte sicherlich gekürzt werden können, ohne das inhaltlich etwas verloren geht.
Der Vergleich zu den kurzen Textstellen, in denen mal etwas wirklich spannendes passiert und den unsagbaren Längen dazwischen war einfach nicht verhältnismäßig.

Sie hatte jedenfalls nicht vergessen, dass Ekel und Lust ziemlich nahe beieinanderlagen.

Den Klappentext fand ich ja wirklich vielversprechend, die Umsetzung war dann jedoch ein kleines bisschen anders als erwartet. Nicht schlecht, einfach nur anders.
Bei der Länge gab es natürlich mehr als genug detailreiche Schilderungen, die wohl selbst mir jetzt die Möglichkeit geben würden, eine Dragonscale-Pandemie zu überstehen.
Medizinische Hintergründe finde ich bei solchen Geschichten aber wirklich sehr interessant! Außerdem lassen sie, gut recherchiert, das Ganze einfach authentischer wirken.

„Es sind zwei Seuchen, die sich ausbreiten. Das eine ist Dragonscale, das andere Panik.“

Die Beschaffenheit der Charaktere sind für mich ebenso wichtig, wie die Handlung. In dystopischen Geschichten, bin ich hier immer besonders gespannt. Es sind einfach Situationen, die die Menschen an ihre Grenzen treiben und meist das schlechteste in ihnen herausholt.
So natürlich auch hier. Nicht nur einmal habe ich einen Charakter vollkommen falsch eingeschätzt und wäre wohl in jede nur erdenkliche Falle gelaufen. Die ganze Gesellschaft trieft nur so vor Intrigen und Selbstsucht, allerdings sind auch diese Ausschnitte leider oftmals einfach untergegangen.
Vor allem Harper war eigentlich eine sehr solide Protagonistin. Nicht meine Heldin, aber sehr realistisch gehalten.
Quasi Mary Poppins beim Weltuntergang. Die Anspielung auf diesen Film fand ich an der einen oder anderen Stelle ein bisschen übertrieben, obwohl ich den Film selbst absolut liebe.
Der Fireman ist eigentlich ein großes Mysterium geblieben. Die Erzählperspektive hat sich eigentlich nur an die Sicht von Harper geknüpft und das große Phänomen…tja, ist zum Teil auch eins geblieben.
Und soll ich euch was verraten? Trotz der 950 Seiten, kann ich ihn mir immer noch nicht bildlich vorstellen.
Die Nebencharaktere fand ich dafür umso faszinierender, was nicht bedeutet, dass sie mir sympathischer waren. Aber vielleicht einfach ein bisschen facettenreicher.

„Tja, wer hätte gedacht, dass die Zukunft sich fast genauso wie die Vergangenheit anhört?“

Auch wenn Fireman nicht wirklich eine Enttäuschung war, so konnte es aber auch nicht meine Erwartungen erfüllen. Die Idee ist super und auch die Umsetzung mal etwas anderes, allerdings muss man sich einfach durch zu viele Längen kämpfen, als dass der Spannungsbogen gehalten werden könnte.
Wer auf detailreiche Dystopien steht und auch auf viel Action verzichten kann, der ist mit diesem Buch bestens aufgehoben!

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2 Comments

  1. Hey Jill,
    bei so einem Brocken ist es natürlich schade, dass du am Ende dann doch enttäuscht wurdest! Vor solchen längeren Schmökern habe ich immer genau diese Befürchtung. Ich habe selten einen Roman gelesen, der so lang war und diese Länge auch wirklich nötig hatte. Bei Harry Potter und der Orden des Phönix habe ich die Länge gar nicht gemerkt, weil der Inhalt unglaublich war. Bei Breaking Dawn hingegen hätte ich mir 400 Seiten weniger gewünscht.
    Da frage ich mich, was das Lektorat an der Stelle verbockt hat. Eigentlich wäre ja derjenige dafür zuständig die Notbremse zu ziehen.
    Alles Liebe,
    Sarah

    1. Sarah❤

      Ja, genau das denke ich mir auch.
      Ist ja auch einfach schade, weil es für manche dadurch einfach nicht mehr schön zu lesen ist, selbst wenn die Idee eigentlich gut war.
      Ohja, tolle Bücher können gar nicht lang genug sein!
      Wobei ich gestehen muss, dass es mich doch auch manchmal abschreckt 😉

      Drück dich ❤ Jill

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