Rezension | Heraus aus der Finsternis von Christopher Tauber & Annelie Wagner

Rezension | Heraus aus der Finsternis von Christopher Tauber & Annelie Wagner

Titel: Heraus aus der Finsternis | Autor: Christopher Tauber | Illustrator: Annelie Wagner | Verlag: Zwerchfell Verlag | Erscheinungsdatum: 01.02.2019 | Seitenzahl: 52 | Altersempfehlung: ab 8

Im November 1918 endet der Erste Weltkrieg. Zum ersten Mal sollen allgemeine Wahlen, bei denen auch Frauen wählen und gewählt werden dürfen, eine deutsche Republik bilden. Inspiriert von der Aufbruchsstimmung und den zahlreichen Frauen,die sich in der Öffentlichkeit politisch positionieren, beschließen die Freundinnen Käthe, Jenny, Franziska und Josephine, ebenfalls aktiv zu werden. Denn obwohl sie aus den unterschiedlichsten Ecken und Milieus Frankfurts stammen, eint sie alle ein Problem: Jungsbanden regieren die Straßen und machen den Mädchen das Leben schwer. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, wie sie sich den Unterdrückern in den Vierteln Frankfurts entgegenstellen und behaupten können.

Als ich die Anfrage für diesen Comic bekommen habe, war gleich meine Neugier geweckt. Nicht nur den thematischen Inhalt fand ich sehr interessant, sondern auch die Zielgruppe. Ich finde es so wichtig, vieles auch schon jüngeren Menschen vermitteln zu können und finde die Idee, das Ganze mit einem Comic zu machen wirklich gut.

Mädchen macht den Mund auf!

Frankfurt 1918: Frauen hatten bisher noch nicht allzu viel zu melden, ganz zu schweigen etwas in der Politik zu suchen. Doch gerade die Auswirkungen vom Krieg zeigen ganz deutlich, dass Frauen ebenso viel zu sagen haben und gleiche Positionen besetzen können.
Käthe und ihre Freundinnen haben wie viele andere Mädchen auch unter Jungsbanden zu leiden, die erwarten, dass sie sich ihnen unterwerfen. Verspielt und zugleich aussagekräftig wird hier untermauert, was so wichtig ist: Mädchen und Frauen haben genauso eine Stimme, die gehört werden muss!

Schnell wird klar, alleine stehen die Chancen nicht allzu gut. Doch wenn es noch vielen anderen ebenso ergeht, wieso sich nicht zusammenschließen? Und so entsteht eine immer weiter wachsende Mädchengruppe, mit Mitgliedern die nicht unterschiedlicher sein könnten und auch genau das verkörpern. Es macht gar keinen Unterschied, wie sich der Charakter zeigt und ebenso wenig, welchem Geschlecht man angehört.

Geschichtlich und immer noch real

Leicht verständlich und wirklich interessant wird hier eine Zeit aufgezeigt, die schnell in Vergessenheit gerät. Und dennoch finden sich leider immer noch Parallelen in der heutigen Zeit, weshalb solche Geschichten so wichtig sind. Es geht hier nicht um einen Kampf zwischen den Geschlechtern, sondern um die Gleichberechtigung, den Wert der eigenen Stimme und vor allem jedes einzelnen Menschens an sich.

Wer Angst hat, dass sich der Comic doch zu sehr in die Unterhaltungsrichtung bewegt – keine Bange: Zum Ende gibt es noch ein Glossar und eine Hintergrundinfo, die die dargestellten Situationen noch einmal ganz besonders beleuchten und helfen, das Ganze thematisch besser zu verstehen.

Heraus aus der Finsternis ist nicht nur für junge Leser ein interessantes Werk! Die Mischung aus Geschichte und Unterhaltung hat mir unglaublich gut gefallen und wieder einmal aufgezeigt, was bereits erreicht wurde und woran man immer noch arbeiten muss. Ein toller Comic für Jung und Alt!

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