Rezension | Schattenbraut von Yangsze Choo

Rezension | Schattenbraut von Yangsze Choo

Titel: Schattenbraut | Originaltitel: The Ghost Bride | Autor*in: Yangsze Choo | Übersetzer*in: Heike Reissig & Stefanie Schäfer | Verlag: Goldmann | Erscheinungsdatum: 21.09.2022 | Seitenzahl: 544 (Printausgabe)

»Eines Abends fragte mich mein Vater, ob ich die Braut eines Geistes werden wolle …«

Malaya 1893. Die 17-jährige Li Lan aus gutem, aber verarmten Hause erhält einen ungewöhnlichen Antrag: Sie soll den kürzlich verstorbenen Sohn der wohlhabenden Familie Lim heiraten. Aber Li Lan zögert. Kann sie sich wirklich einem Geist versprechen? Um sich auf die Probe zu stellen, taucht sie Nacht für Nacht ein in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwimmen. Das Schattenreich ist ein Ort des Schreckens, aber auch der Versuchung und der Freude. Dort deckt Li Lan nicht nur die Wahrheit über ihre eigene Familie und die ihres Verlobten auf – sie erkennt auch die Macht wahrer Liebe …

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Cover und Aufmachung haben mich einfach angelacht, sodass ich zu neugierig geworden bin, als dass ich mir das Buch hätte entgehen lassen können.

Zurück ins alte Malaysia

Bevor Malaysia als unabhängiger Staat proklamiert wurde, wurde das Land noch Malaya genannt und diese Zeit fallen wir zurück, 1893. Und somit trägt auch die 17-jährige Protagonistin Li-Lan die Bürden ihrer Zeit. Aus einer einst wohlhabenden Familie stammend, sollte sich auch eine entsprechend gute Partie für sie ergeben. Doch nach dem Tod ihrer Mutter hat sich ihr Vater immer mehr zurückgezogen und es ist schon lange nicht mehr alles Gold, was glänzt. Wenn es denn überhaupt noch glänzt. Vater, Tochter und Hausstand halten ich am letzten Ersparten fest und als Li-Lans Vater seiner Tochter vom Angebot berichtet, die Schattenbraut des jüngst verstorbenen Sohnes der Familie Lim zu werden, sehen manche allein darin schon ein schlechtes Omen, doch Li-Lan nimmt es noch nicht ganz ernst.

Als Li-Lan kurz danach zur Familie Lim nach Hause eingeladen wird, wird auch schnell klar, dass es sich hierbei keinesfalls um ein Missverständnis handelt, sie soll tatsächlich eine Schattenbraut werden. Somit zwar abgesichert leben, aber mehr höchstwahrscheinlich auch nicht. Als wenn die Misere nicht schon groß genug wäre, trifft sie genau jetzt den neuen Erben der Familie und Hoffnung kommt auf – denn die beiden scheinen sich gegenseitig anziehend zu finden. Schade nur, dass da jemand aus dem Jenseits ziemlich fest an seiner zukünftigen Schattenbraut hängt…

Viele interessante Details

Es ist nicht nur das alte Malaya über das ich hier viele neue Eindrücke gewinnen konnte, was ich wirklich interessant fand. Von der Kolonialgeschichte, der Menschen und der Zeit selbst. Yangsze Choo legt hier einen großen Fokus auf die Nähe und dem Verständnis zur chinesischen Kultur, gerade was Gebräuche, Aberglauben aber auch das Achten der Verstorbenen angeht. All diese Details flechten sich in der Geschichte mit ein und haben mir richtig Spaß gemacht. Prinzipiell ist der Stil zum Großteil zwar eher ruhig, aber keinesfalls langweilig. Und dass dieses Setting dann auch noch einen ausreichend übernatürlichen Touch erhalten hat, war dann noch das Sahnehäubchen!

Li-Lan bekommt leider ziemlich schnell die ersten Eindrücke aus dem Schattenreich zu sammeln und ein Gefühl für ihren potentiellen künftigen Ehemann zu erhalten. Tatsächlich bietet das Reich der Toten aber nicht nur für die Leser*innen viele spannende Einblicke, sondern offenbart auch ihr einige Geheimnisse. So erfährt sie mehr über den Verstorbenen jungen Mann, mit dem sie vermählt werden soll, ihrer eigenen Familie und auch den Wert von wahrer Liebe und Zusammenhalt. Vielleicht kein klassischer Pageturner, aber eine Geschichte, die ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe und die mir noch eine Weile im Kopf bleiben wird. Erschreckende Wächter des Schattenreichs, Geld, das für die Toten verbrannt wird und vieles mehr – lasst es euch nicht entgehen!

Ich hatte zwar keine genauen Vorstellungen, was mich in „Schattenbraut“ von Yangsze Choo erwarten würde, doch es ist wohl genau das, was ich mir eigentlich erhofft hatte. Eine ruhige und sehr interessante Reise ins alte Malaysia und eine Geschichte über kulturelle Nähe, Geister und Liebe.

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AUCH REZENSIERT VON: Miss Pageturner

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