Rezension | Cold-Blooded: Der Geschmack von Blut und Schatten von Martin Gancarczyk

Rezension | Cold-Blooded: Der Geschmack von Blut und Schatten von Martin Gancarczyk

Titel: Cold-Blooded: Der Geschmack von Blut und Schatten: Band 1 | Autor: Martin Gancarczyk | Verlag: Martin Gancarczyk (Nova MD) | Erscheinungsdatum: 17.07.2020 | Seitenzahl: 460

Mit Anlauf in den größten Haufen Mist – nichts könnte Grayson Huffs Leben besser beschreiben.
In einer Welt, in der Menschen wie Nutztiere gehalten werden, versucht der 28-jährige, als eben dieser zu überleben. Was allerdings nur bedingt klappt bei seinem Pech, denn er stirbt und erwacht gleich darauf wieder aus dem Reich der Toten. Etwas, das als Mensch jedoch unmöglich ist – richtig?

Doch Grayson ist kein Mensch, zumindest wenn er dem Gestaltwandler Wayland glauben darf, der für den Geheimdienst MIA arbeitet und ihn in Mysterien einweiht, von denen Grayson nicht mal zu träumen gewagt hat. Bald schon verstrickt er sich immer tiefer in Machenschaften, die bis zum Anbeginn der Zeit zurückreichen. Und dann wären da noch die aufkommenden Gefühle zu Wayland, die das Chaos perfekt machen.

»Der Geschmack von Blut und Schatten« ist der erste Teil der Cold-Blooded Trilogie.
Dunkle Machenschaften, unverhoffte Liebe, sowie uralte Geheimnisse vereinen sich mit Witz, Sarkasmus, Diversity und queeren Charakteren zu einem spannenden Urban Fantasy Auftakt. Ein trotteliger 90er Jahre Nerd ist auch dabei.

Vielen Dank an Martin für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Es gibt immer mal Bücher, auf die man sich ganz besonders freut und genauso war es bei mir mit dem Auftakt der Cold-Blooded Reihe. Nachdem Martin und ich aufeinander aufmerksam geworden sind und ich die letzten Schritte von seinem Buchprojekt mitverfolgen durfte, war ich unglaublich neugierig und gespannt auf das Ergebnis.

Hohe Erwartungen

Ihre kennt es – bei den Büchern, auf die man sich ganz besonders freut, steigen auch zunehmend die Erwartungen, bis sie irgendwann so hoch sind, dass es fast schon gar nicht mehr möglich ist, dass das Buch dem gerecht werden konnte. Als ich die ersten Seiten der Geschichte rund um Grayson gelesen habe, hätte ich aber tatsächlich weinen können vor Freude. Schnell wird klar, dass der Autor ein wahres Ausnahmetalent ist und bereits bei seinem Debütroman ein unglaublich hohes Niveau vom Schreibstil an den Tag legt. Egal, ob es um die Charaktergestaltung, Aufbau der Handlung und des Settings, den Spannungsaufbau oder auch den Humor geht – Martin beweist sich in jeglicher Hinsicht und trifft genau meinen Geschmack.

So konnte Cold-Blooded meinen Erwartungen nicht nur gerecht werden, sondern sie sogar übertreffen und ich bin einfach restlos begeistert. Die Story war spannend von der ersten bis zur letzten Seite, allein schon, weil es immer wieder so viel Neues zu entdecken gab. Ein rasantes Abenteuer, das definitiv einer Achterbahnfahrt gleicht. Kennt ihr diese „komischen“ Menschen, die in der Bahn beim Lesen auf einmal anfangen zu lachen? Hätte ich das Buch in der Bahn gelesen, dann wäre das auf jeden Fall ich gewesen. Der Humor ist für manche Leser eventuell ein wenig krass, ich bin aber sehr gut damit ausgekommen. Generell war es einfach erfrischend eine Geschichte zu lesen, in der nie ein Blatt vor den Mund genommen wird, zeitgleich aber auch nicht an Ernsthaftigkeit oder Emotionen gespart wird – ja, auch mir sind hier irgendwann mal die Tränen gekommen.

Worldbuilding

Auf der einen Seite finde ich es sehr schade, dass es immer noch erwähnt werden muss, auf der anderen Seite aber genau deswegen eben auch so wichtig: Martin Gancarczyk hat hier eine Welt geschaffen, in der das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung einfach keine Rolle spielt. Und ich meine wirklich NICHT. Es wird nicht thematisiert oder irgendwo erwähnt, es spielt einfach keine Rolle. Ich weiß, dass auch Aufklärungsliteratur unglaublich wichtig ist und möchte diese auch nicht kleinreden, aber Werke wie Cold-Blooded sind genau dadurch so erfrischend, dass eine Welt, eine Gesellschaft aufgezeigt wird, die endlich gelernt hat. Es fühlt sich an keiner Stelle gewollt an, es ist einfach normal und fällt überhaupt nicht auf – genau so, wie es sein sollte.

Der Fokus liegt hier aber natürlich auch auf den Fantasy Elementen. Die Welt in Cold-Blooded spielt in der Zukunft, irgendwann haben sich all die Wesen, die wir für reine Fantasie gehalten haben, öffentlich gezeigt und wollen nun ihren Platz in der Weltordnung einnehmen. Dass Werwölfe, Wandler, Hexen und Vampire den sterblichen Menschen überlegen sind, muss wohl nicht extra erwähnt werden, dennoch versuchen die meisten ein Miteinander zu halten. Und dann purzelt Grayson ins Bild, scheint nirgends so richtig reinzupassen und doch gehört er genau an diesen Schauplatz.

Ebenso beeindruckend wie die Welt selbst fand ich hier die Charaktergestaltung. Auch hier findet sich der Humor vom Autor wieder und sorgt immer wieder für einen Lacher. Jeder für sich ist bis ins kleinste Detail geplant, mal erfährt man als Leser ein wenig mehr und ein anderes Mal merkt man wieder, dass jeder seine Geheimnisse mit sich führt. Auch, wenn Grayson hier der Protagonist ist und sich größtenteils mit Wayland die Erzählperspektiven teilt, bieten auch die Nebencharaktere so viel und werten die Geschichten absolut auf, dass man sich nie so sicher sein kann, von wem man am ehesten mehr erfahren möchte. Wer beim Lesen das Gefühl hat, dass sein Liebling zu kurz gekommen sein könnte sei beruhigt, denn ich glaube da wird noch so einiges in den Fortsetzungen auf uns zukommen.

Martin Gancarczyk hat hier ein atemberaubendes Gesamtpaket erschaffen. ich wollte die Geschichte so sehr lieben und hätte vor Freude weinen können, als sie meine Erwartungen dann sogar noch übertroffen hat. Nicht nur das Gesellschaftsbild hat mir unglaublich gutgetan und wirklich viel gegeben, der Spannungsaufbau, das Worldbuilding und die einzigartigen Charaktere sorgen im Zusammenspiel für ein einzigartiges Leseerlebnis, das für mich definitiv ein Highlight war. Wo wartet jetzt der zweite Band auf mich?

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