Rezension: Der Report der Magd / Margaret Atwood

Rezension: Der Report der Magd / Margaret Atwood

Es gibt mehr als nur eine Form von Freiheit, sagte Tante Lydia, Freiheit zu und Freiheit von. In den Tagen der Anarchie war es die Freiheit zu. Jetzt bekommt ihr die Freiheit von. Unterschätze sie nicht.

Titel: Der Report der Magd  |  Originaltitel: The Handmaid’s Tale  |  Autor: Margaret Atwood  |  Übersetzer: Helga Pfetsch  |  Verlag: Berlin Verlag  |  Erscheinungstermin: 17.11.2017 |  Seitenzahl: 416

In der Republik Gilead lässt man Desfred keine Wahl: sie muss gebären. Sonst wird sie, wie alle Abweichler, entweder an der »Mauer» gehenkt oder in einen langsamen Strahlentod geschickt. Aber kein noch so totalitärer Staat kann das Begehren auslöschen – weder das von Desfred noch das der beiden Männer, die ihre Zukunft in der Hand haben…
Brillant erdacht und geschrieben: Margaret Atwoods messerscharfer Blick und ihr beißender Witz machen diese beängstigende Beschwörung eines Amerikas des 21. Jahrhunderts zu einem beunruhigenden und vielschichtigen Meisterwerk, das längst zum Kultbuch avanciert ist..

Durch unser Buchspecial zu Margaret Atwood bin ich natürlich auch auf ihr wohl bekanntestes Werk gestoßen.
Da meine Erwartungen so hoch waren und ich schon unglaublich neugierig auf diese Geschichte war, durfte sogar die Schmuckausgabe bei mir einziehen, die ich übrigens wirklich jedem empfehlen kann.

Hohe Erwartungen

WIe schon erwähnt waren meine Ansprüche alles andere als gering an diese Geschichte, was jedoch gar nicht schlimm war – denn ich konnte dennoch wirklich überrascht werden.
Margaret Atwood arbeitet hier mit einem teils „monotonen“ Stil, der die Geschichte Desfreds aus einer recht sachlichen Sicht erzählt.
So wird man nach und nach in die neue Gesellschaftsform eingeführt, was jedoch keineswegs bedeutet, dass sie einem weniger aufstoßen würde – genau im Gegenteil! Denn eigentlich wollte ich Desfred nur schütteln und hoffen, dass ihr im Kopf auch noch andere Gedanken durch den Kopf gehen, dass sie sich das alles nicht gefallen lassen soll – dass sich das keine Frau auf der ganzen Welt gefallen lassen sollte!

Desfred, eine Protagonistin, die ihren wahren Namen schon lange abgeben musste und nun durch eine Kombination anzusprechen ist, die sich aus ihrem Stand und der Familie, der sie nun zugehört zusammenstellt.
Wer in dieser Geschichte gut ist und wer böse lässt sich eigentlich gar nicht festlegen. Jeder hat seine gesonderte Rolle zugeteilt bekommen und arbeitet nun mit im Zahnrad – das alles ist gar nicht so abwegig, was den Gedanken an das Ganze natürlich umso erschreckender gestaltet.

Tatsächlich habe ich das Buch in einem Schwung gelesen, womit ich selbst nicht mehr gerechnet habe. Dennoch musste ich immer wieder kleine Pausen einlegen, weil mich die Geschichte einfach zu sehr runtergezogen hat, ich habe mich hilflos gefühlt und keine Lösung gesehen….

Du kann mehr als nur einen Menschen meinen.
Du kann tausend einzelne Menschen meinen.
Ich bin in keiner unmittelbaren Gefahr, werde ich zu dir sagen.
Ich werde so tun, als könntest du mich hören.
Aber das hilft nichts, denn ich weiß, dass du es nicht kannst.

Nachhaltige Wirkung

So kam es, dass natürlich nicht nur beim Lesen selbst die grauen Zellen mal wieder richtig in Schwung gekommen sind, sondern auch außerhalb der Geschichte.
Als ich danach mit meinem Freund eine Serie geschaut habe und ein Schauspieler meinte „Hübsche Frauen können keinen guten Musikgeschmack haben, die können gar nichts dafür. Man kann nur nicht eben beides haben“ bin ich fast an die Decke gegangen und habe schon vor mir gesehen, wie der Fernseher gerade im hohen Bogen aus dem Fenster fliegt.
Das alles hört sich vielleicht ein wenig dramatisch an, doch es ist eben genau diese Sensibilität die wieder aufgebaut wird oder der Leser vielleicht auch das erste Mal im Zusammenhang zu diesem Thema kennenlernt.
Das Bild der Frau wird hier nicht komplett aus dem Zusammenhang gerissen, sondern zeigt Züge und Tendenzen auf, von denen wir manchmal nicht allzu weit entfernt sind.

Auch, wenn mich Der Report der Magd ziemlich runtergezogen hat, so ist es doch ein fantastisches Werk und ein Leseerlebnis, das ich wirklich jedem nur ans Herz legen kann. Ein Buch, das den Hype mehr als nur verdient hat und einigen folgenden Werken eine hervorragende Vorlage bietet, bzw. geboten hat.

Nachdem ich schon so viel von Der Report der Magd gehört habe, waren meine Erwartungen natürlich ziemlich hoch. Doch wie sollte es anders sein – ich wurde keinesfalls enttäuscht!
Margaret Atwood hat hier ein einnehmendes und schockierendes Setting geschaffen, das definitiv eine nachhaltige Wirkung mit sich zeiht und noch lange im Kopf bleibt.

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3 comments found

  1. Liebe Jill,
    dieses Werk möchte ich mir auch noch zulegen und lesen. Ich möchte ja generell mehr oder überhaupt mal Klassiker lesen. 🙂
    Deine Rezension hat mir (wie immer) sehr gefallen und am liebsten würde ich mir das Buch nun sofort zulegen und drauf los lesen.
    Viele liebe Grüße
    Neni

    1. Liebe Neni,

      vielen lieben Dank für deine wundervolle Rückmeldung!
      Ich weiß genau was du meinst und versuche gerade auch immer mal öfter zu „klassischen Werken“ zu greifen.
      Ich hoffe sehr, dass dich die Geschichte dann auch so begeistern kann!

      Liebste Grüße <3 Jill

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