Rezension | Die Chroniken von Rotkäppchen von Christina Henry

Rezension | Die Chroniken von Rotkäppchen von Christina Henry

Titel: Die Chroniken von Rotkäppchen – Allein im tiefen, tiefen Wald | Originaltitel: The Girl in Red | Autor*in: Christina Henry | Übersetzer*in: Sigrun Zühlke | Verlag: Penhaligon | Erscheinungsdatum: 08.03.2022 | Seitenzahl: 400 (Printausgabe)

So packend war Rotkäppchen noch nie: Der neue Bestseller von Fantasy-Horror-Königin Christina Henry!

Geh nicht allein in den tiefen, tiefen Wald. Aber Red hat keine Wahl: Seit die Krise vor drei Monaten über das Land kam, ist sie auf sich allein gestellt. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, sich zu ihrer Großmutter durchzukämpfen. Red fürchtet nicht die Unwesen, die nachts durch die Wälder streifen. Die wahre Bedrohung geht von den Menschen aus: von ihren dunklen Sehnsüchten, niederen Beweggründen und bösen Hintergedanken. Am schlimmsten jedoch sind die Männer in Uniform, mit ihren Befehlen und Geheimakten, die auf Reds Spur sind. Sie möchte niemanden töten, aber wer allein in den Wald geht, muss sich verteidigen können …

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Ich liebe Märchenadaptionen – je düsterer, desto besser und gerade Christina Henry trifft da bisher ziemlich genau meinen Geschmack. Wie hätte ich mir diese Ausgabe entgehen lassen können?

Märchen, was?

Gerade Adaptionen können ja auch sehr individuell sein und finden oft auch eine moderne Umsetzung. Bisher hatten die Chronik-Bücher aber doch einen sehr märchennahen Ansatz, wodurch ich auch hier entsprechende Erwartungen/Vorstellungen hatte.
Die Chroniken von Rotkäppchen tanzt aber ziemlich aus der Reihe, wodurch ich am Anfang ziemlich ins Stolpern gekommen bin und auch gar nicht wusste, ob ich mich darauf einlassen kann und will.
Die gleiche Aufmachung der anderen Bücher, Titel und Klappentext lassen nicht wirklich darauf schließen, dass einen hier etwas ganz anderes erwartet, eine Dystopie mit Horror-Elementen.

Dass man das Buch dennoch an Rotkäppchen irgendwie anlehnen kann, will ich gar nicht ausschließen, doch scheinbar weckt das Buch bei allen Leser*innen falsche Erwartungen, was dann durchaus nach hinten losgehen kann und hier wirklich schade ist, denn im Nachhinein fand ich die Story einfach richtig, richtig gut. Eine Pandemie ist über die Welt eingebrochen, was erschreckende Parallelen aufkommen lässt, doch tatsächlich ist dieses fiktive Szenario bereits vor Corona entstanden. Wer aktuell Probleme mit diesen Parallelen hat, sollte lieber später mal zu diesem Buch greifen. Doch die Pandemie selbst, verbreitet durch einen Virus, dessen erste Symptome sich im Husten zeigen und zu einem tödlichen Ende führen ist nicht die einzige Gefahr. Das kristallisiert sich zwar schnell heraus, doch die Fragen dazu bleiben eine Weile offen, wodurch ich jetzt mal nicht weiter darauf eingehe um nicht zu spoilern.

Interessanter Fokus

Und als wenn diese Geschichte nicht schon von der ersten Seite an überraschen würde, setzt Christina Henry noch einen drauf. Cornelia oder auch Red will mitten in diesem Chaos mit ihren Eltern und ihrem Bruder fliehen und sich auf den Weg zu ihrer Großmutter machen. Red scheint gerade durch ihre umfassenden Interessen und dem damit zusammenhängenden Wissen aber auch wegen ihrem Pragmatismus in ihrem Alter hervorzustechen. Gerade den Nerdfaktor finde ich aber in Dystopien auch immer ziemlich interessant und cool.
Vor allem legt die Autorin hier aber Wert auf die Themen Rassismus und Ableismus, was ich hinter dieser Geschichte nicht erwartet hätte. Red ist Schwarz und hat mit 8 bereits eine Beinprothese erhalten, was nicht nur die aktuelle Situation (wie zum Beispiel ein endloser Marsch durch den Wald) eine Herausforderung ist, sondern auch prinzipiell in unserer Gesellschaft. Gerade auf den zweiten Aspekt wird hier immer wieder ausführlich eingegangen, was ich unglaublich gut fand.

Die Story wird in zwei Zeitsträngen erzählt, davor und danach.
Hier kommt man schnell darauf, was das Ereignis in der Mitte in etwa sein müsste und es ist nicht der Ausbruch der Pandemie, den gibt es schon im Davor. Doch zu Beginn ist Red noch mit ihrer Familie vereint und man verfolgt als Leser*in voller Schrecken und Faszination, wie das Chaos immer weiter ausbricht. Im Danach ist Red leider nur noch auf sich allein gestellt.
Interessanterweise bleiben viele Informationen rund um den aktuellen Stand der Welt aus, aber das auf sehr authentische Weise. Denn wir begleiten Red, vollkommen abgeschottet, Kommunikationsnetze gibt es schon lange keine mehr und die Quarantäne-Camps will sie umgehen, so hält sich natürlich auch der Informationsfluss in Grenzen und sorgt für einen zusätzlichen Spannungsfaktor, der aber allgemein schon hoch war.
Nachdem ich erst in der Geschichte drin war, konnte ich mich gar nicht mehr lösen. Obwohl ich erahnen konnte, was sich zwischen davor und danach abgespielt hat, wollte ich dennoch die genauen Details erfahren und auch das Danach ist eine fortlaufende Handlung, die ebenfalls viel Spannung mit sich bringt. Durchaus mit einigen brutalen Szenen und einem gewissen Gruselfaktor, der in den letzten Büchern ja ein wenig kürzer gekommen ist.

Nach wie vor lässt sich auch dieses Band unabhängig von den anderen Büchern lesen, vor allem sollte man sich vorher aber auch von den typischen Märchen Vibes ganz klar verabschieden.

Obwohl Die Chroniken von Rotkäppchen so ganz anders waren und die Story für mich gar keine Märchen Vibes hatte, hat mich die Geschichte total begeistert. Zugegeben, anfänglich war ich verwirrt und bin durch die anderen Erwartungen ein wenig ins Stolpern gekommen, doch dranbleiben lohnt sich, es erwartet euch eine spannende Dystopie mit Horror-Elementen!

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AUCH REZENSIERT VON: Claudias Bücherhöhle | Addicted 2 Books | Gedanken Vielfalt | Bibilotta |
Der Büchernarr

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