Rezension | Die Herrin des Waldes von Evelyne Aschwanden

Rezension | Die Herrin des Waldes von Evelyne Aschwanden

Titel: Die Herrin des Waldes | Autor*in: Evelyne Aschwanden | Verlag: Via tolino media | Erscheinungsdatum: 20.04.2022 | Seitenzahl: 336 (Print)

„Die Magie der Herrin sickert wie Gift durch den Wald, verhext die Tiere und Menschen und verwandelt sie in blutrünstige Monster. Wenn wir uns jetzt gegeneinander stellen, was bleibt uns dann noch übrig?“ Die Stiefschwestern Yasha und Daphne können sich nicht ausstehen. Als die beiden eines Abends ihre kleine Halbschwester beim Babysitten aus den Augen verlieren, stolpern sie versehentlich in eine düstere Version des Märchenwalds. Hier hat eine böse Hexe – von allen nur Die Herrin genannt – einen grausamen Fluch über die Märchenfiguren ausgesprochen. Platz für glückliche Enden gibt es in dieser Welt keinen, und eine dunkle Macht droht, das Leben im Wald für immer auszulöschen. Um zu überleben, müssen Yasha und Daphne nicht nur endlich ihre Differenzen überwinden, sondern auch mehr über die unerklärlichen Kräfte herausfinden, die langsam in ihnen heranwachsen. Denn eines ist klar: Wenn sie ihre Schwester je wieder nach Hause bringen wollen, müssen sie gemeinsam der Herrin entgegentreten … Die bekannten Geschichten der Gebrüder Grimm neu interpretiert: Düster, mitreißend und spannend nimmt dich diese Märchenadaption mit in eine finstere Version des Märchenwaldes, wo die böse Hexe ausnahmsweise mal gewonnen hat …

Vielen Dank an den Evelyne Aschwanden für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Ich liebe Märchenadaptionen – vor allem düstere – so sehr, dass ich nun endlich die Chance ergreifen musste etwas von Evelyn Aschwanden zu lesen!

Einstieg ein wenig anders

Diesen Kritikpunkt anzubringen ist ein wenig gemein, aber es soll auch eher um den Leseeindruck an sich gehen. Ich liebe Märchen und vor allem Märchenadaptionen, je düsterer desto besser – so ist es wohl keine Überraschung, dass mich auch dieses Buch gleich magisch angezogen hat.
Adaptionen die außerhalb des klassischen Territoriums spielen catchen mich persönlich allerdings meist eher nicht und obwohl bereits der Klappentext hier angeteasert hat, dass sich die jungen Protagonistinnen erst auf den Weg machen müssen, hat es mich dennoch ein wenig auf der Rolle geworfen. Die Geschichte startet nämlich in der uns nur allzu bekannten Welt, leider auch mit den gleichen Schicksalsschlägen, die uns ereilen können.
So hat es die junge Yasha besonders hart getroffen, die gerade erst ihre Mutter verloren hat und zu ihrem Vater samt seiner neuen Familie ziehen musste.
Ihre Stiefmutter und die kleine Halbschwester heißen sie herzlich willkommen, ganz im Gegensatz zu Daphne, ihrer gleichaltrigen Stiefschwester, die definitiv auf ihre Gesellschaft verzichten könnte.

Ein kleines vorprogrammiertes Familiendrama, das auch eigentlich gar nicht viel Raum in diesem Schauplatz einnimmt, aber es waren halt nicht meine Vibes, vielleicht wisst ihr ja was ich meine. Yasha schließt man eigentlich schnell und direkt ins Herz, Daphne wirkt durch ihre störrische Art zwar ziemlich kantig, doch das durchschaut man eigentlich schnell. Die vermeintlich einzige Gemeinsamkeit: ihre kleine Schwester. Und genau die verschwindet, wodurch die ungleichen Stiefschwestern sich mitten in der Nacht auf die Suche machen. Und wer hätte es gedacht…

Vorhang auf für den düsteren Märchenwald

Eigentlich kommt dieser Wechsel sogar ziemlich schnell, ich weiß auch nicht, wieso ich deshalb meckern musste. Denn der Märchenwald hat es in sich und bietet klassische, wie aber auch sehr überraschende Begegnungen, die Kenner*innen der Märchen der Gebrüder Grimm sicherlich gefallen werden. Die Umsetzung ist auf jeden Fall düster und nicht blumig – für härtere Fans geht da auf jeden Fall noch mehr, doch auch hier wird schon einiges geboten, was die etwas verwaschenen Blümchen-Nacherzählungen der Märchen erblassen lässt.

Doch Evelyne Aschwanden hat nicht nur einen Fokus auf die märchenhaften Anteile, in ihrer Geschichte gesetzt, sondern punktet auch mit Diversität und überraschendem Tiefgang zu dem einen oder anderen Thema. Es geht um Verlust, Selbstfindung und natürlich einer gehörigen Portion Abenteuer. Das alles in einem leichtzugänglichen Schreibstil, der für einen guten Unterhaltungswert und einem zügigen Lesetempo sorgt.
Wer hier gerade denkt, dass er die Handlung komplett durchschaut hätte, wird sicherlich überrascht, denn da hat die Autorin noch das ein oder andere Ass im Ärmel und sorgt für einen überraschenden Plottwist, der die Vorfreude auf die Fortsetzung nur noch steigert. Eine starke Charakterentwicklung und interessante Neuinterprationen, die selbst Genreliebhaber überraschen können.
Für mich zwar das erste Buch der Autorin aber ganz sicherlich nicht das letzte!

So sehr ich mich auch immer auf Märchenadaptionen freue, so habe ich auch die Befürchtung, dass sie mir vielleicht nichts Neues bieten oder die Umsetzung nicht meinen Geschmack trifft. Mit Die Herrin des Waldes konnte mich Evelyne Aschwanden aber durchaus gut unterhalten und überraschen, wodurch ich mich jetzt schon auf die Fortsetzung freue.

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