Rezension | Die Wächterinnen von New York von N. K. Jemisin

Rezension | Die Wächterinnen von New York von N. K. Jemisin

Titel: Die Wächterinnen von New York | Originaltitel: The City we became | Autor*in: N. K. Jemisin | Übersetzer*in: Benjamin Mildner | Verlag: Tropen Verlag | Erscheinungsdatum: 01.03.2022 | Seitenzahl: 544

Jede Stadt hat eine Seele. Manche so alt wie die Mythen. Andere so jung und ungestüm wie Kinder. Und New York City? Hat gleich mehr als eine. Gerade erst erwacht und so unterschiedlich, wie das Leben in New York, müssen sich die Wächter der Stadt zusammenschließen, um sie vor dem Grauen zu schützen, das unter ihr lauert.

Städte sind lebendig. Sagt man so. Doch das ist mehr als nur ein Sprichwort und wenn eine Stadt erwacht, sucht sie sich einen Avatar, der sie verkörpert. Doch im Fall von New York ist etwas schiefgelaufen. Denn es gibt Kräfte, die verhindern wollen, dass die Städte lebendig werden und diesmal waren sie schneller. Nach einem ersten Kampf sind die Stadt und ihr Avatar geschwächt, doch im letzten Moment werden fünf Wächter bestimmt. Fünf für die fünf Bezirke und alle so unterschiedlich wie nur New York sein kann. Manny löst Probleme Manhattan-Style: mit Geld.

In Brooklyn hört eine ehemalige Rapperin den Beat der Stadt. Und die Kuratorin einer Gemeindegalerie beweist, dass sich die Bronx noch nie etwas hat gefallen lassen. Aber was ist mit Queens und Staten Island? Wenn sie die Stadt und ihren Avatar retten wollen, müssen sie sich beeilen, denn der Feind hat längst damit begonnen, die Stadt zu vergiften. Und wenn sie nicht zusammenarbeiten, droht nicht nur New York unterzugehen.

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Ich weiß, dass ich immer sage, dass ich mich sehr auf die neuen Bücher freue, doch bei diesem Buch hat es sich bei mir schon vorher um ein absolutes Highlight der Übersetzungen/Neuerscheinungen gehandelt, also let’s go!

Ein wenig erschlagen, doch dann…

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nichts von N. K. Jemisin gelesen habe, das mit diesem Buch aber nun endlich nachholen wollte. Tatsächlich stand das Buch auch schon im Englischen in meinem Regal, aber da habe ich mich dann doch nicht rangetraut und das zu Recht.
Der Einstieg war gleichermaßen faszinierend und erschlagend – so ganz wusste ich gar nicht, was ich mit mir anfangen soll. Ich habe gespürt, dass da etwas ganz großes hintersteckt, hatte aber das Gefühl es nicht wirklich (be)greifen zu können. Falls es euch auch so ergehen sollte, lasst euch davon nicht abschrecken! Denn 1-2 Kapitel später wird alles schon so viel klarer und deutlicher und man ist auch direkt gefangen in der Story.

New York ist erwacht und muss sich verteidigen – so erhält jeder Stadtteil eine Wächterin. (Kleine Anmerkung: Es sind nicht nur weibliche Wächterinnen und ich habe mitbekommen, dass einige das am Titel gestört hat. Das Original hätte vielleicht besser gepasst, aber ich bin auch hiermit sehr zufrieden. Und ganz ehrlich, wenn das generische Maskulinum genutzt wird, kommt auch immer die Aussage „Damit sind doch alle gemeint!“ Also, hiermit sind doch alle gemeint.)
Tatsächlich ist der erste Protagonist und Wächter, der ins Bild trifft männlich und bietet den Leser*innen eine abgedrehte und außergewöhnliche Ankunft in New York, wie man sie sich nicht erträumen könnte. Es ist tatsächlich gar nicht so einfach für mich, gute Erklärungen zu finden, ohne euch zu viel von der Geschichte vorwegzunehmen.
Aber so viel: Alle Wächterinnen reagieren ganz unterschiedlich auf ihre neue Funktion. Das spannendste sind aber die Unterschiede zwischen ihnen, die perfekt die jeweiligen Stadtteile widerspiegeln, für die sie nun einstehen. Nur, dass es eben leider auch einen Grund hat, wieso die Wächterinnen benötigt wurden, denn New York ist in Gefahr und somit auch die auserwählten Avatare.

So viel mehr als nur ein Highlight

Doch nicht nur das Worldbuilding an sich ist schon absolut atemberaubend und faszinierend, sondern auch die Themen, die dahinter stecken. N. K. Jemisin ist zurecht mehrmals ausgezeichnet und man merkt in jeder Zeile ihren Ideenreichtum und auch ihr politisches Engagement, das sich auch in der Geschichte wiederfindet. Vor allem Rassismus steht hier im Fokus und zeigt wie gefährlich und hässlich dieser irrationale Hass ist. Bereits am Anfang, bei der Erweckung der Wächterinnen haben sich meine Nackenhaare aufgestellt, das kann man gar nicht beschreiben, das muss man einfach selbst lesen!
Es ist so cool gewesen die Stadtteile und die jeweiligen Wächterinnen kennenzulernen, denn Manhatten, die Bronx, Brooklyn, Queens und Staten Island sind selbst für Nicht-Kenner*innen wie mich mehr als nur spannend.

Das letzte Mal so ein außergewöhnliches Leseerlebnis, was mich so tief beeindruckt hat, hatte ich bei Nnedi Okorafor und auch wenn die Stile auf der einen Seite so unterschiedlich sind, sind sie gleichauf von ihrer Stärke und ihren Besonderheiten. Ich könnte jetzt schon vor Freude im Dreieck springen, dass es sich hierbei lediglich um den Auftakt einer Trilogie handelt und das Abenteuer lange noch nicht vorbei ist. Alle Emotionen abgedeckt und das stets unter Spannung – ich würde euch das Buch am liebsten allen in die Hand drücken.
Und in der Wartezeit? Da werde ich mir nun die anderen Bücher der Autorin vornehmen!

Meine Erwartungen an Die Wächterinnen von New York von N. K. Jemisin waren unermesslich hoch und wurden dennoch bei weitem übertroffen! Für mich war es das erste, aber auf keinen Fall das letzte Buch der Autorin. So ein faszinierendes Worldbuilding, so wichtige Themen, so starke Charaktere und Ideen – ich komme gar nicht mehr aus dem Schwärmen raus und würde das Buch am liebsten jedem in die Hand drücken. Und das Beste? Es ist erst der Auftakt einer Trilogie!

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AUCH REZENSIERT VON: SL Leselust

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