Rezension

Rezension: Fuck you, Love / Daniela Hartig

„Hattest du keine Angst?“
Meine Stimme holt sie zurück. Ihr Gesicht verschließt sich, sie dreht sich weg.
„Ich habe keine Angst, Floyd. Vor nichts.“

Fuck you, Love

Titel: Fuck you, Love | Autor: Daniela Hartig | Verlag: Twentysix | Erscheinungsdatum: 31.01.2018 | Seitenzahl: 404

»Wenn ich eine gute Fee wäre, was würdest du dir wünschen?«, fragt sie.
»Eine Zeitmaschine. Um alle Fehler, die ich jemals gemacht habe, ungeschehen zu machen.«
Wenn aus einer harmlosen Party eine Nacht wird, die in einer Katastrophe endet.
Wenn eine einzige Sekunde dein ganzes Leben verändert und du eine getroffene Entscheidung nie wieder rückgängig machen kannst.
Was tust du dann?

Dieser Beitrag ist mir wirklich mehr als nur schwer gefallen. Die liebe Daniela hatte mich gefragt, ob ich nicht ihr Buch Fuck you, Love lesen möchte und spätestens nach all den positiven Rezensionen war mein Interesse geweckt. Was mich bei dieser Geschichte erwartet hat, hätte ich aber niemals für möglich gehalten. So ist dies zwar kein Booktalk und ich werde auch mit Spoilern an mich halten, dennoch werde ich ein Thema verraten, dass zwar schon auf den ersten Seiten bekannt gegeben wird, aber aus dem Klappentext nicht zu erahnen ist, zumindest nicht für mich. Allerding finde ich es unglaublich wichtig zu wissen, bevor man zu dem Buch greift. Falls ihr unbefangen an das Buch herangehen wollt, lest bitte NICHT weiter!
Vielen lieben Dank für die Zusendung des Rezensionsexemplars, Daniela!

Nachdem ich neulich ja erst einen absoluten Fehlgriff in der Hand hatte, kam bei mir nach den ersten Seiten schon eine böse Vorahnung, dass ich wieder eine Geschichte in den Händen halte, die mich von der Thematik her so gar nicht begeistern kann. Der Schreibstil war zwar herb, aber definitiv flüssig und vor allem ehrlich. Aber das.
Hierbei handelt es sich um wesentlich mehr als nur einen Fehler oder einen Fehltritt. Es ist furchtbar, grausam und kann in keinster Weise ungeschehen gemacht werden.

Floyd lebt ein Leben, das nach außen hin absolut beneidenswert erscheint. Ein reiches Elternhaus, keine Sorgen. Doch jeder hat seine Laster zu tragen. Eigentlich waren ihm die Konsequenzen für sein Verhalten immer egal, bis zu dieser einen Nacht, in der scheinbar einfach alles außer Kontrolle geraten ist. Nur fehlt ihm leider das Wissen, was genau geschehen ist…

Storm spiegelt eher das genaue Gegenteil wieder, auf den ersten Blick erkennt man, dass es sich hier um einen gebrochenen Menschen handelt, der sich nichts sehnlicher als Halt und Geborgenheit wünscht. Doch wie schützt man sich am besten, um nicht wieder enttäuscht zu werden? Scheinbar hat sie hierfür genau den richtigen Weg gefunden, bis zu dieser einen Nacht.

Das scheint alles ein wenig verworren? Ja, und wie! Ich habe mir sämtliche Gedanken gemacht, was hier wohl hätte vorgefallen sein können, wäre aber nie auf die Auflösung gekommen. Wie am Anfang schon erwähnt enthülle ich mal das Geheimnis, das sich dem Leser im Buch aber auch schon bereits auf den ersten Seiten offenbart: Vergewaltigung. Ein Brocken, den man erst einmal verdauen muss. Doch was steckt genau dahinter? Was ist wirklich passiert, wo sich doch beide nicht wirklich erinnern können?

Bei Fuck you, Love treffen nicht nur Welten aufeinander, sondern man nimmt eine Charakterentwicklung mit, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Zwischenzeitlich abgeschreckt von der Sprache und dem Thema, habe ich wohl nur meine Zeit gebraucht, um zu erkennen, wie gut die Autorin all die Faktoren aufeinander abgestimmt hat. Zwischendurch konnte ich immer nicht fassen, wie das alles nur weiter gehen soll und wie sich das Ende aufbauen könnte. Als es dann aber kam, war ich mehr als nur sprachlos und muss wohl meinen Hut ziehen.
Das hätte ich einfach nie erwartet, ich war geschockt, verwirrt, unendlich traurig und unbeschreiblich wütend – so viele Emotionen sind mir durch den Kopf geflogen und dennoch konnte ich kaum einen Gedanken ordnen.

Ich atme tief ein und wieder aus und sehe nochmal zum See. Sie hat alles Recht der Welt, mich so zu behandeln.
Sie weiß es nur nicht.

Dieses Buch ist auf keinen Fall für jeden geeignet, weil es einfach viele Themen behandelt, mit denen einige Menschen sicherlich nicht gut umgehen könnten. Neben sexueller Gewalt, geht es auch um häusliche Übergriffe, Depressionen, Suizidversuche und einige weitere furchtbare Schicksale.
Niemals hätte ich hier eine solche Intensität vermutet, wobei Empfinden natürlich unterschiedlich sind. Für mich persönlich hat Daniela Hartig aber einen Nerv getroffen und mich tief erschüttert und berührt.
Eine Geschichte, die ich wohl niemals wirklich verarbeiten und vor allem niemals vergessen werde.

Bei Fuck you, Love von Daniela Hartig handelt es sich um so viel mehr als es den Anschein macht – ein Buch, das ich keinesfalls jedem in die Hand drücken würde und dennoch wirklich empfehlen kann.
Sich an so viele schmerzhafte Themen und an eine so erschütternde Geschichte heranzutrauen benötigt in meinen Augen jede Menge Mut. Ich wusste am Anfang nicht einmal recht, ob ich das Buch überhaupt beenden werde, und zum Schluss konnte ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen, wollte schreien, weinen und mich verkriechen, am besten alles gleichzeitig.

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8 Comments

  1. Oh wow.
    Hartes Thema, aber eins, das mich auch unendlich interessiert, so makaber das klingen mag.
    Vielen Dank für deine Einschätzung, liebe Jill.
    Es steht richtig auf meiner Wunschliste.
    Ich muss es bei Zeiten dann wirklich mal befreien.
    Liebe Grüße
    Micky

    1. Liebe Micky,

      da sagst du was! Ich weiß auch genau, was du meinst. Natürlich ist es sehr erschreckend, aber ich finde es überaus wichtig, dass eben auch diese Themen angesprochen werden.
      Wenn du zum Lesen kommst, wünsche ich dir viel Spaß und bin schon sehr gespannt auf deine Meinung!

      Liebste Grüße <3 Jill

  2. Liebste Jill,
    was für eine unglaublich tolle Rezension. Sie macht mich so neugierig, dass ich den Roman direkt auf meine Wunschliste gepackt habe. Ich spüre richtig deine Zerrissenheit und all die Emotionen, die dich förmlich durchschwemmt haben. Vielen lieben Dank für deine ehrlichen Worte <3

    Alles Liebe,
    Sarah

    1. Oh Sarah,

      cih danke dir für deine tolle Rückmeldung!
      Mir ist die Rezension wirklich unglaublich schwer gefallen, weil ich einfach nicht die richtigen Worte dafür gefunden habe. Dass sie jetzt doch auch so viel Interesse bei Lesern weckt freut mich unglaublich doll!
      Es ist auch wirklich ein Buch, das zwar sehr eigen ist, aber definitiv zu empfehlen!

      Liebste Grüße <3 Jill

  3. Liebe Jill,
    auch ich kann nur sagen: wow, was für eine tolle Rezension!
    Somit ist das Buch nun auch bei mir auf die Must Have Liste gewandert, nachdem ich ja dachte, dass es absolut nicht dein Fall sei. Aber echt spannend, wie sich das noch so wenden kann.
    Ich bin auf jeden Fall suuuper neugierig und man merkt dir an, wie baff du bist.

    Liebe! <3

    1. Liebe Nicci,

      und wie! Am Anfang war ich wirklich noch nicht so angetan und habe schon damit gerechnet, dass mich das Buch gar nicht mehr überzeugen kann. Dann hat sich aber immer mehr zusammengefügt und gerade das Ende war einfach der perfekte Abschluss!
      So kann ich das Buch auf jeden Fall nur empfehlen!

      Liebe <3

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