Rezension | Jeder von uns ist ein Rätsel von A. J. Steiger

Rezension | Jeder von uns ist ein Rätsel von A. J. Steiger

Titel: Jeder von uns ist ein Rätsel  |  Originaltitel: When My Heart Joins the Thousands  |  Autor: A. J. Steiger  |  Übersetzer: Annette der Weppen  |  Verlag: Carlsen  |  Erscheinungsdatum: 01.11.2018  |  Seitenzahl: 400 |  Altersempfehlung: ab 14

Andere Menschen zu verstehen ist für Alvie eine Herausforderung. Ihr Lieblingsbuch ist die Kaninchensaga „Unten am Fluss“ und richtig wohl fühlt sie sich nur in ihrem Job im Zoo, bei den Tieren. Doch als sie Stanley kennenlernt, ist alles anders: Er interessiert sich nicht nur für Quantenphysik wie sie, sondern ist auch unendlich geduldig. Aber auch Stanley fällt es schwer, sich zu öffnen. Und es ist ein langer, zum Teil sehr komischer, manchmal trauriger und wunderschöner Weg, der sie am Ende zusammenbringt – zu so etwas Ähnlichem wie Glück.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Als mir das Buch Anfang des Jahres auf der Messe vorgestellt wurde, war ich unglaublich neugierig. Mich interessiert die Thematik sehr und ich habe viel Erwartungen in die Umsetzung gelegt, wodurch meine Vorfreude immer mehr gewachsen ist – nun könnte ich endlich herausfinden, ob meine Erwartungen dem gerecht wurden!

Still und zugleich unglaublich laut

In die Welt von Alvie einzutauchen war für mich eine wirklich aufklärende und wertvolle Erfahrung. Ich finde es immer wieder wichtig, dass gewisse Themen häufiger angesprochen werden und Menschen ermöglicht, dafür sensibilisiert zu werden. Alvie lebt mit dem Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus und hat Schwierigekeiten im Alltag, da sie typische gesellschaftliche und soziale Situationen anders auffasst, bzw. mit der Bewältigung Probleme hat. Ich fand die Herangehensweise an das Thema für mich persönlich wirklich gut – ich hatte das Gefühl Alvies Leben zu teilen und ihre Entscheidungen in jedem Zuge nachvollziehen zu können.
Der Schreibstil der Autorin hat da natürlich seinen Teil zu beigetragen und auch die Recherche hat mir unglaublich gut gefallen. Auf der einen Seite distanziert und zeitgleich so tiefgründig und einnehmend hat das alles sehr authentisch auf mich gewirkt und jede Menge Emotionen hervorgerufen.

Doch nicht nur Alvie, sondern auch Stanley hat mich schwer und nachhaltig beeindruckt. Beide Charaktere waren sehr stark ausgearbeitet und hätten gegensätzlicher nicht sein können. Sie haben sich zueinander ergänzt, obwohl es ihnen beiden schwer gefallen ist.
Ich wusste nie, was als nächstes kommen würden, in welcher Situation wer wie handeln würde. Ich wurde beim Lesen einfach mitgerissen und konnte mich nicht mehr von der Geschichte lösen.

Ein interessanter Nachklang

So gab es hier aber nicht „nur“ die aktuellen Themen, die die Geschichte gelenkt haben, sondern auch die Vorgeschichte – die jeden Menschen zu dem werden lässt, der er nun einmal ist.
Voller Schrecken, Trauer und Hoffnung habe ich jedes kleines Puzzlestück aufgesogen, bis ein ganzes Bild entstanden ist, dass mich fassungslos und schockiert zurückgelassen hat.
Doch nicht nur der Nachklang der Geschichte ist bemerkenswert, es ist der Weg dort hin.
A. J. Steiger hat nach und nach ein Kartenhaus aufgebaut, von dem man nie wusste, wann und ob es zusammenbrechen wird. Jede Seite hat eine neue Möglichkeit aufgetan und doch auf ein festes Ziel hingesteuert.

Spätestens an alle Fans da draußen von der Serie Atypical – greift unbedingt zu diesem Buch!
Dennoch wünsche ich mir natürlich, dass diese Geschichte es schafft, wesentlich mehr Menschen zu erreichen und durch die Geschichte von Alvie und Stanley zu bereichern, bei mir hat sie es zum Glück.

A. J. Steiger hat sich mit Jeder von uns ist ein Rätsel mit unglaublich wichtigen Themen auseinandergesetzt, die in unserer Gesellschaft immer noch nicht als „normal“ angesehen werden und wesentlich mehr Empathie benötigen.
Mit einer fantastischen Charakterausarbeitung war diese Geschichte mehr als nur ein Mehrgewinn für mich und konnte mich nachhaltig begeistern – ein außergewöhnlicher Lesetipp!

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4 comments found

  1. Kia ora, Jill.
    Bekanntlich lebt jeder Mensch in seinem eigenen Kosmos, mit der Sicht nach Außen & der nach Drinnen. Für manche Menschen bleibt das Drinnen-Leben wesentlicher. Für wenige ist das Innen noch eine tiefergehend andere Welt, die sich schwieriger mit der Welt „Außen“ in Verbindung bringen läßt. Von daher ist die Lebensreise eine zutiefst eigene.
    Vor in etwa zehn Jahren gab es eine ganze Reihe anmerkenswerter Filme zum Thema, die halfen ein, zwei Augen dafür zu öffnen.
    Schließlich – nur weil Menschen anders sind, kann man/frau sie nicht als Freaks abkanzeln!

    bonté

    1. Lieber Rob,
      gerade deinem nachsatz möchte ich mich anschließen.
      Und genau dafür finde ich sind solche Werke und auch Filme sehr wichtig zur Aufklärung und Sensibilisierung.

      Liebste Grüße, Jill

  2. Ich freue mich sehr auf das Buch 🙂
    Hoffentlich hab ich bald mal einen Kopf dafür.
    Und für die ganzen anderen auf meinem Lesestapel haha. Es ist ein Trauerspiel..

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