Rezension | Oxygen von Andreas Brandhorst

Rezension | Oxygen von Andreas Brandhorst

Titel: Oxygen – Welt ohne Sauerstoff. Klimathriller | Autor*in: Andreas Brandhorst | Verlag: Fischer TOR | Erscheinungsdatum: 22.02.2023 | Seitenzahl: 608

Spannend, informativ und absolut furchterregend. Der Thriller zur Klimakrise von Bestseller-Autor Andreas Brandhorst.

Es hätte alles so schön werden können. Durch die Förderung regenerativer Energiequellen und den Einsatz neuer Technologien zeichnet sich eine Lösung der Klimakrise bereits am Horizont ab. 

Doch dann macht die Meeresbiologin Laura Lombardi eine beunruhigende Entdeckung: Das Plankton in den Weltmeeren, das für einen großen Teil der globalen Sauerstoffproduktion verantwortlich ist, verliert die Fähigkeit zur Fotosynthese. Was zuerst nach einem Messfehler aussieht, dann nach einer regionalen Anomalie, entwickelt sich zur größten Katastrophe in der Geschichte der Menschheit: Der Welt scheint die Luft auszugehen, und Suche nach einem Gegenmittel ist schwieriger als gedacht. 

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Bei Klima-Thrillern werde ich immer wieder hellhörig, selbst wenn ich leider gestehen muss, dass mich bisher eher wenige wirklich überzeugen konnten.

Eine erschreckende Entdeckung

Wir starten an der Seite der jungen Laura Lombardi, wie sie noch ihre Eltern im Institut begleitet und deren Arbeit bewundert. Jahre später ist sie nun die Leitung und als Meeresbiologin auf dem Forschungsschiff Trieste unterwegs. Gemeinsam mit ihrer Crew macht sie eine Entdeckung, die sie selbst kaum glauben kann: Der Phytoplankton zeigt alarmierende Merkmale auf.
Scheinbar fehlt es der Pflanze auf einmal an der Fähigkeit zur Fotosynthese, was verheerende Auswirkungen auf das ganze Leben in der Welt haben würde. Wusstet ihr, dass Plankton 70%-80% unser Sauerstoffproduktion ausmacht? Nicht die Pflanzen am Land, sondern Plankton. Also ich wusste es nicht. Finde es aber immer wieder sehr cool, wenn ich neben Unterhaltung auch ein paar solcher Anreize geliefert bekomme und Wissenslücken schließen kann.

Obwohl ein Großteil der Unterstützer des Instituts nicht mitziehen, entscheiden sich Laura und ihre Crew dazu, all dies öffentlich zu machen, um die Menschen zu warnen. Erschreckenderweise wird diese Meldung aber nicht ernst genommen und als Aufspielen abgetan.
Doch nach und nach wird klar, dass sich dieses Phänomen auch auf dem Land ausbreitet. Doch mittlerweile ist das Alles schon viel zu weit fortgeschritten, denn wenn die aktuellen Pflanzen schon keine Fotosynthese mehr durchführen können, wie steht es dann um uns? Wie schnell kann eine Lösung dagegen gefunden werden und wie lange reicht der Sauerstoff noch aus? In meinen Augen ein unglaublich interessantes, wenn auch ungemein angsteinflößendes Gedankenspiel, bei dem mir die Brust richtig eng geworden ist.

Keine Luft zum Atmen

Andreas Brandhorst konzentriert sich hier aber bei weitem nicht nur auf die biologischen Entdeckungen, sondern bringt noch einige andere Handlungsstränge mit ein. So wird von Projekten gesprochen, die auf regenerative Energiequellen zurückgreifen und der Klimakrise entgegenwirken wollen und gerade auch die geopolitische Lage wird hier sehr fokussiert. Allerdings bringen all diese unterschiedlichen Blickwinkel auch immer mehr Charaktere mit ins Spiel, was irgendwann schon ein bisschen schwieriger wird zu überschauen, bzw. leidet ein wenig die Bindung zu den Charakteren darunter.
Hier werden natürlich ganz unterschiedliche Aspekte angesprochen, mich selbst haben zum Beispiel die politischen Intrigen weniger gecatcht, auch wenn sie keinesfalls unwichtig waren. Im Gesamtschnitt hätte es dem Buch nur vielleicht ein wenig mehr Tiefe verlieren, wenn man nicht ganz so breit gefächert gelesen hätte. (Vielleicht spreche ich aber auch wirklich nur für mich.)

Die Gesamtstruktur fand ich dadurch stellenweise ein wenig überladen und dennoch hat mir die Story echt gut gefallen. Ich fand sie spannend und fesselnd, gerade weil viele reale Parallelen angesprochen wurden, die so einige Denkanstöße bieten und die Gefahr gar nicht mal so unrealistisch wirken lassen haben. Auch die wissenschaftlichen Aspekte waren gut verständlich transportiert, sodass ich alles mitschneiden konnte, wenn ich auch keine nennenswerten wissenschaftlichen Kenntnisse haben.
Alles in allem interessant aufgebaut, guter Spannungsbogen, verständlich verpackt und man nimmt auch noch was mit. Da kann ich auch die ein oder anderen Kritikpunkte ein bisschen unter den Tisch fallen und dennoch eine Leseempfehlung aussprechen, denn mir hat das Buch echt gut gefallen.

Andreas Brandhorst sorgt für ein erschreckendes Szenario, das sich gar nicht so unwirklich anfühlt und dadurch umso mehr bewegt. Denn was wäre, wenn unsere Pflanzen auf einmal nicht mehr zur Fotosynthese in der Lage wären. Einfach so, von jetzt auf gleich.
Angsteinflößend und packend mit so einigen Denkanstößen kann ich diesen Klima-Thriller definitiv empfehlen.

KAUFEN!

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