Rezension | Quick von Hannes Rastam

Rezension | Quick von Hannes Rastam

Titel: Quick – Die Erschaffung eines Serienkillers | Originaltitel: Fallet Thomas Quick | Autor: Hannes Rastam | Übersetzer: Nike Karen Müller | Verlag: Heyne Hardcore | Erscheinungsdatum: 009.11.2020 | Seitenzahl: 560

Thomas Quick ist das schlimmste Monster der schwedischen Geschichte – ein Serienkiller, Vergewaltiger, Sadist und Kannibale. So jedenfalls das Bild, das die Medien von ihm zeichneten. In den Jahren zwischen 1992 und 2001 gesteht Thomas Quick dreißig Morde und wird für acht davon verurteilt. Nachdem immer wieder Zweifel an seiner Schuld aufkommen, beginnt der bekannte Enthüllungsjournalist Hannes Råstam mit der Recherche. Das Ergebnis seiner Arbeit schlägt ein wie eine Bombe. Thomas Quick kann die Morde nicht begangen haben. Es gibt keinen haltbaren technischen Beweis. Thomas Quick ist unschuldig.

»Wie aus einer unbedachten Flunkerei das größte Lügengebilde der schwedischen Kriminalgeschichte wurde. Die Geschichte eines gigantischen Justizskandals.«

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Da der Fall um Thomas Quick mir bis zu diesem Buch vollkommen unbekannt war, wollte ich dem unbedingt nachhelfen.

Ganz klar Sachliteratur

Ich weiß nicht wieso mir das vorher nicht so wirklich bewusst war, aber da hätte ich auch sicherlich selbst drauf kommen können – Bei dem Buch von Hannes Rastam handelt es sich nicht nur inhaltlich um ein Sachbuch, sondern eben auch vom Stil. Formulierungen wie „Enthüllungsroman“ können hier zwar falsche „Hoffnungen“ wecken, diese werden dann aber eben nicht erfüllt. So fällt man als Leser eben doch ein wenig ins kalte Wasser, denn ausführliche Personen-Einweisungen fallen eher aus, was aber gerade bei all den Fakten und unterschiedlichen Personen zumindest anfänglich für Unruhe und auch ein wenig Verwirrung sorgen kann.
Leser, die öfter zu Sachliteratur greifen oder zumindest eingefleischten True-Crime-Fans wird das eventuell nicht so ergehen wie mir.

Somit ist der Stil doch eher anspruchsvoll, was aber dem Thema an sich mehr als nur gerecht wird. Dass mir dieser Fall bis vor Kurzem noch nichts gesagt hat, erschreckt mich selbst. Denn ja, Thomas Quick oder auch Sture Ragnar Bergwall wurde lange Zeit als der Serienkiller Schwedens gesehen. Doch wie kann es möglich sein, dass ein Mann in Verdacht steht über 30 Menschen ermordet zu haben und in Wirklichkeit nicht einen ermordet hat?

Unfassbar

Ich gehöre ganz bestimmt nicht zu den Menschen, die das Verhalten der Polizei für unfehlbar halten, was sich aber hier zugetragen hat, lässt einen einfach fassungslos zurück.
Thomas Quick landet durch ein paar Vorfälle in einer psychiatrischen Einrichtung, nach und nach gesteht er auf einmal mehrere Morde. Das Ganze scheint gar kein Ende mehr zu nehmen, letztendlich wird er für 8 davon auch schuldig gesprochen. Weder klare Beweise noch Augenzeugen gibt es – wo liegt hier das Problem?

Es ist immer wieder erschreckend und faszinierend zugleich, wozu unsere Psyche fähig ist. Wo Thomas Quick scheinbar nur dem Drang nach Aufmerksamkeit nachgegangen ist – wenn auch auf eine Art, für die mir die Worte fehlen – so war es eher sein Umfeld und vor allem die Menschen, die für ihn verantwortlich waren, die dieser Aufgabe mehr als nur nicht gewachsen waren. Die Pfleger und Ärzte schienen ihre Reaktion und ihre Betreuung am besten mit Medikamenten zeigen zu können und die Polizei hat sich in ihrem „Ruhm“, dem Serienkiller auf der Spur zu sein gesuhlt.
Und so liebe Leser:innen erschafft man einen Serienkiller.

Mir fehlen immer noch die richtigen Worte, weil all das für mich eigentlich nicht greifbar ist. Wie es sein kann, das ein scheinbar psychisch kranker Mensch von keinem verstanden wird und stattdessen zu einem Serienkiller erklärt wird. Wie kann es sein, dass erst Hannes Rastam den Zweifeln auf den Grund ging? Eine Aufklärungsarbeit, die zurecht die schwedische Polizeiarbeit an den Pranger stellt und aufgedeckt hat, was längst überfällig war.

Eine Bewertung fällt mir hier unglaublich schwer, weshalb ich nicht einmal eine meiner Kategorien vergebe. Ich bin froh zu dem Buch Quick von Hannes Rastam gegriffen zu haben, einfach um mich an dieser Art Buch versuchen zu können. Das Lesen ist mir aber wirklich nicht leicht gefallen, vielleicht auch, weil ich mir etwas anderes vorgestellt habe. Das Buch ist alles andere als leichte Kost und sollte auf jeden Fall mit Bedacht gewählt werden. Ich würde aber behaupten, dass Fans von True-Crime hier mal einen genaueren Blick drauf werfen sollten – vielleicht ist es ja was für euch?

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