Rezension | Was auf das Ende folgt von Chris Whitaker

Rezension | Was auf das Ende folgt von Chris Whitaker

Titel: Was auf das Ende folgt | Originaltitel: Tall Oaks | Autor*in: Chris Whitaker | Übersetzer*in: Wolfgang Müller | Verlag: Piper | Erscheinungsdatum: 30.06.2022 | Seitenzahl: 400

Ein Kind verschwindet, eine Mutter verzweifelt – und eine ganze Stadt stürzt in die Krise

Tall Oaks ist eine perfekte kalifornische Kleinstadt. Jeder kennt jeden und das Böse ist hier fremd. Die idyllische Fassade bekommt Risse, als der dreijährige Harry Monroe eines Nachts spurlos verschwindet. Trotz des riesigen Medienrummels und der besessenen Polizeiarbeit bleibt sein Schicksal ein Rätsel. Harrys verzweifelte Mutter stürzt sich in eine Suche, die mit jedem Tag aussichtsloser erscheint, während sie ihre Trauer mit Alkohol und Männern zu betäuben versucht. In Tall Oaks ist nichts mehr, wie es war. Hinter ihrem Mitgefühl verbergen die Bewohner eigene Geheimnisse. Jeder in Tall Oaks wird zum Verdächtigen, und ungeheuerliche Dinge kommen ans Licht, die die Stadt für immer verändern  …

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Nachdem mich Von hier bis zum Anfang so begeistern konnte, habe ich mich unglaublich auf diese Neuerscheinung gefreut.

Wie gehört alles zusammen?

Willkommen in der Kleinstadt Tall Oaks, wo sich alle kennen und das Böse keinen Platz hat. Oder doch?
Eines Nachts verschwindet der dreijährige Harry Monroe und seine Mutter besteht darauf den Entführer mit Clownsmaske gesehen zu haben, nur fehlt leider jede Spur.
Die verzweifelte Mutter Jess versucht ihre Trauer mit Alkohol und Männern zu verdrängen, was ihr aber nicht die erhoffte Erlösung bringt. Polizist Jim versucht aber an dem Fall dran zu bleiben, so bekommen die Leser*innen auch einen Ausschnitt von einem weiteren Verhör, doch mittlerweile ist die Tat schon einige Wochen her, sodass die Hoffnung immer weiter schwindet.

Die Ehe zwischen Henrietta und Roger scheint zu scheitern und wirft die ersten Fragen zum Zusammenhang zu dieser Situation auf.
Und dann gibt es noch den jungen Manny, der zwar eigentlich Schüler ist, doch wesentlich eher ein Gangster sein will, was zugegebener Maßen eher mäßig gelingt. Und sein bester Freund Abe erkennt dies zwar durchaus, doch seine Loyalität ist doch stärker und sorgt dafür, dass er Manny fleißig unterstützt. Dann kommt noch ein neues Mädchen in die Stadt und ergänzt die kleine Truppe perfekt, wenn auch die Dynamik einen unglaublichen Wechsel bekommt.
Mannys Mutter datet währenddessen den Autohändler Jared und im kleinen Fotoladen arbeitet Jerry, dem jeden tag aufs Neue das Leben schwer von seinem Chef und seiner kranken Mutter, um die er sich kümmert, gemacht wird. Also – wie gehört das alles zusammen?

Melancholische Wahrheiten

Interessanter und auch überraschender Weise steht hier die Kindesentführung wesentlich weniger im Mittelpunkt, als ich anfänglich vermutet hätte.
Viel eher greift Chris Whitaker hier ein Kleinstadtleben mit all seinen Schicksalsschlägen auf und das eben leider doch nicht alles so schön ist, wie wir es anderen weiß machen wollen. Alle haben ihre Päckchen zu tragen und die Auswirkungen können ganz unterschiedlich ausfallen.
Es geht um Verlust und Trauer, um das Erwachsenwerden und wo wir unseren Platz in all dem finden. Auch hier befinden wir uns wieder mitten in einem Drama und die Stimmung ist beklemmend, wenn auch durch die Atmosphäre sehr einnehmend. So trübt diese Geschichte schon sehr das Herz, doch durch Humor und auch sehr gefühlvollen Situationen wird die Geschichte immer mal wieder aufgelockert und gibt doch wieder Grund zur Hoffnung.

Alles in allem auf jeden Fall ein starker und faszinierender Roman, wenn ich auch eine Weile lang nicht wusste, wohin diese Reise führen wird und wie alles zusammenhängt. Tatschlich handelt es sich hierbei aber auch um den Debütroman des beliebten Autors, wodurch ich nun im Nachhinein eher verstehen kann, wieso mich die Geschichte zwar mitreißen, aber nicht ganz so umwerfen konnte wie Von hier bis zum Anfang. Wer also noch keins der Bücher gelesen hat, dem würde ich dieses Buch zuerst empfehlen, da sich die Qualität doch steigert. So oder so aber ein bemerkenswerter Autor, von dem ich hoffe noch mehr zu lesen zu bekommen.

Nachdem meine Erwartungen enorm hoch waren, war es nicht so leicht für den Debütroman von Chis Whitaker da mithalten zu können. Eine Geschichte, die das Kleinstadtleben mit all ihren Schattenseiten aufzeigt und wieder mal sehr zum Nachdenken anregt. Auch hier eine wirklich starke Leistung, doch für mich nicht ganz so stark wie sein anderes Werk.

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