Rezension | Die zehntausend Türen von Alix E. Harrow

Rezension | Die zehntausend Türen von Alix E. Harrow

Titel: Die zehntausend Türen | Originaltitel: The Ten Thousand Doors of January | Autor*in: Alix E. Harrow | Übersetzer*in: Aimée de Bruyn Ouboter | Verlag: Festa | Erscheinungsdatum: 22.07.2021 | Seitenzahl: 576

In einem weitläufigen Herrenhaus voller sonderbarer Schätze ist January selbst eine Kuriosität. Als Mündel des reichen Mr. Locke fühlt sie sich kaum anders als die Artefakte, die die Hallen schmücken: sorgfältig gepflegt, weitgehend ignoriert und völlig fehl am Platz.
Dann findet sie ein seltsames Buch. Ein Buch, das den Duft anderer Welten verströmt und von Geheimtüren, Liebe, Abenteuern und Gefahr erzählt. Jedes Umblättern enthüllt weitere unglaubliche Wahrheiten.
Und langsam wird January bewusst, dass sie selbst mehr und mehr mit der Geschichte verkettet wird.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Nachdem das Buch im Original schon so sehr gelobt wurde, habe ich mich ganz besonders auf diese Übersetzung gefreut!

Gespickt mit Höhen & Tiefen

Auch bei diesem Buch handelt e3s sich mal wieder um eins, an das ich unglaublich hohe Erwartungen hatte und nach den ersten Seiten wurden diese noch bestärkt. Der Schreibstil ist ein wenig anders, aber das im positiven Sinne und überzeugt mit seiner Einzigartigkeit. Es gibt einen kleinen Einblick in Januarys Kindheit und ihre ersten Berührungen mit einer der TÜREN. Doch da das junge Mädchen unter der Obhut von Mr. Locke steht, der nicht viel davon hält, endet dieses Erlebnis auch kurz nachdem es erst begonnen hatte.
Das junge Mädchen nimmt zwar ein paar Erinnerungen mit, doch vorerst schlägt die Geschichte einen anderen Weg ein. Das bedeutet keinesfalls, dass es langweilig wird, nur hat die Autorin sich hier ein weitaus komplexeres Bild ausgemalt, als dass man es soweit greifen könnte – zumindest ging es mir so. Und so hat es dann wieder eine Weile für mich gebraucht, bis sich alles zusammen gefügt hat.

Somit ist die Bezeichnung „Tiefen“ eigentlich nicht wirklich treffend, doch man muss sich definitiv auf die Geschichte einlassen und ihr Raum und Zeit geben, sich komplett entfalten zu können. Dabei bedient Alexis E. Harrow hier nicht nur einen Zeitstrang, sondern erzählt gleich noch eine weitere Geschichte – was sich genau dahinter verbirgt, mag am Anfang nicht jedem sofort klar werden, doch umso mehr hat man zum Ende hin das Gefühl, das alles genau so sein sollte. Jeder Charakter für sich ist unglaublich stark, gerade durch die Ecken und Kanten. Es muss nicht immer jede Person ein absoluter Sympathieträger sein, damit man sie ins Herz schließt. January hat es alles andere als leicht – ihr Vater ist viel auf Reisen für Mr. Locke und so lebt sie meistens unter seinem „Schutz“.

Das Gesamtbild

Die zehntausend Türen ist weit mehr als „nur“ ein Fantasyroman. Auch, wenn die Übersetzung sicherlich nicht leicht war, um dem Original gerecht zu werden, so finde ich die Arbeit hier mehr als gelungen. Denn Worte haben Macht. January lebt in einer Zeit, in der Frauen wenig Ernst genommen wurden, erst recht nicht, wenn sie nicht weiß waren. (Dass das in der heutigen Zeit immer noch problematisch ist, will ich keinesfalls bestreiten.)
So bietet ihr Mr. Locke auf dem ersten Blick zwar ein „besseres“ Leben, doch eigentlich befindet sie sich in einem Käfig. So wirklich eingestehen kann sie sich das allerdings erst, als sie die Nachricht bekommt, dass ihr Vater auf Reisen verstorben sein soll. Da beginnt sie nicht nur, ihre alten Erinnerungen auszukramen, sondern bekommt auch ein Buch in die Finger, das ihr Leben verändert.

So richtig fehlen mir immer noch die Worte, um die Geschichte beschreiben zu können. Sie hat einen ruhigen Grundton, überrascht dadurch in einzelnen Szenen aber umso mehr, doch ihre Stärke, durch Spannung und auch durch schaurige Szenen. Das ganze wirkt surreal, als wenn man sich eigentlich selbst mit der Realität abgefunden hätte, so wie wir sie kennen, doch die Grenzen immer mehr zu verschwimmen scheinen.
Doch neben den fantastischen Elementen bietet die Geschichte eben auch so viel mehr. January lebt in einer Welt, in der sie sich jedes Mal aufs neue beweisen muss. Es ist eine kraftvolle Geschichte, die Mut gibt und die aufbaut, trotz immer wiederkehrenden Rückschlägen. Manchmal habe ich mich einfach in der Story verloren, im nächsten Moment war ich tief schockiert, unglaublich traurig, nur um dann voller Wut im Bauch, das Buch zur Seite legen zu müssen.
Alexis E. Harrow hat hier etwas ganz Besonderes abgeliefert, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Ich weiß gar nicht genau, was ich bei Die zehntausend Türen von Alexis E. Harrow erwartet hatte, doch damit habe ich nicht gerechnet. Nach kleinen Findungsschwierigkeiten am Anfang, konnte ich irgendwann das Ausmaß der Geschichte greifen und sei hat bei weitem meine Erwartungen übertroffen. Gerade nach dem Lesen, wenn man sich alles nochmal durch den Kopf gehen lässt, kann man gar nicht fassen, was für ein Abenteuer man gerade erlebt hat. Das Abenteuer von einem kleinen Mädchen, das zu einer unglaublich starken jungen Frau wird und Herausforderungen meistert, die erschreckend real bis hin zu unvorstellbar sind.

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