Rezension

Rezension: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie / Lauren Oliver

„Hast du manchmal Angst vorm Einschlafen? Angst davor, was als Nächstes kommt?“
Er lächelt ein trauriges kleines Lächeln und ich schwöre, es ist, als wüsste er Bescheid.
„Manchmal habe ich Angst davor, etwas zurückzulassen“, sagt er.

Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 15.03.2013
Seitenzahl: 448
Altersempfehlung: ab 14

Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten? Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben: mit ihren Freundinnen zur Schule fahren, die sechste Stunde schwänzen, zu Kents Party gehen. Stattdessen ist es ihr letzter Tag. Sie stirbt nach der Party bei einem Autounfall. Und wacht am Morgen desselben Tages wieder auf. Siebenmal ist sie gezwungen diesen Tag wieder und wieder zu durchleben. Und begreift allmählich, dass es nicht darum geht, ihr Leben zu retten. Zumindest nicht so, wie sie dachte …
Klug, vielschichtig und von herzzerreißender Schönheit – das grandiose Debüt von Bestseller-Autorin Lauren Oliver!

Viel zu lange „musste“ ich auf diese Geschichte warten! Ewigkeiten hat sich das Buch auf meiner Wunschliste gelangweilt, bis es endlich erlöst wurde, nur um dann die nächsten Monate auf meinem SuB einzustauben…doch dann – ENDLICH!
Nachdem jetzt sogar schon der Trailer zum Film (voraussichtliche Erscheinung: 1. Juli) draußen war, dachte ich mir, länger kann und will ich einfach nicht mehr warten, schließlich ist das Buch ja auch auf große Begeisterung gestoßen!

Und, was soll ich sagen?
Die Geschichte hat mir wirklich genau das geboten, was ich mir erhofft hatte.
Bei den Charakteren, Samantha und ihren Freundinnen, handelt es sich um typische Richgirls. Sie kommen aus einem guten Elternhaus, Ihnen steht alles zur Verfügung und in der Schule gehören sie nicht nur zu den It-Girls, sie sind es einfach.
Jeder kennt sie, jeder liebt sie (oder fürchtet sie zumindest), sie können sich einfach alles erlauben, ob nun Mitschülern oder sogar Lehrern gegenüber.
Allerdings kann ich jetzt nicht einmal behaupten, dass sie durchweg unsympathisch beschrieben sind.
Sind wir ehrlich, es ist eine Phase im Leben, die an den wenigsten „sauber“ vorbeigezogen ist.
Die meisten von uns kennen es sicher auf beiden Seiten zu stehen, die Täter- wie auch die Opferseite.

Was hier für viele vielleicht sehr oberflächlich klingt, ist aber genau das Gegenteil!
Samantha wacht im Glauben auf, dass es genau ihr Tag wird! Doch das Ende ist alles andere, als das, was sie sich erhofft hat.
Doch es passiert einfach das Unfassbare und sie hat die Möglichkeit, den Tag aufs Neue durchzugehen.
Und naja…noch einmal…und noch einmal…
Sie lernt, was alles Auswirkungen hat. Ihr Handeln und das ihrer Freundinnen. Und nicht nur auf ihr Leben, wie wahnsinnig viel sie durch ihre Handlungen ändern könnte.
Samantha ist auf einmal gezwungen, auf die kleinen Dinge im Leben zu achten und vor allem empathisch durchs Leben zu gehen.
Etwas, was den meisten in diesem Alter fehlt. Das Können, sich in die Empfindungen anderer hineinzuversetzen.

Ich habe mal gelesen, dass man ein Dèjá-vu erlebt, wenn beide Gehirnhälften Dinge verschieden schnell verarbeiten: die rechte ein paar Sekunden vor der linken oder umgekehrt. Bio ist wahrscheinlich mein schlechtestes Fach, deshalb habe ich nicht den ganzen Artikel verstanden, aber das würde das seltsame Doppelgefühl erklären, mit dem es einen zurücklässt, als würde die Welt in zwei Hälften zerfallen – oder man selbst.

Und was mir am allerbesten gefallen hat? Samanthas Verzweiflung.
Das hört sich jetzt vielleicht ein wenig sadistisch an, doch so ist es nicht gemeint.
Ich habe bereits ein Buch von der Autorin gelesen und damit konnte sie mich nicht allzu sehr begeistern. Mit dieser Geschichte jedoch hat sie es geschafft, dass ich mich genau in die Protagonistin hineinversetzt gefühlt habe. ich habe genauso gelitten wie sie.
Denn natürlich ist die Situation absolut abgefahren. Und es ist natürlich auch nicht so, dass man beim zweiten Versuch auf einmal einen super Start in den Tag hinlegt, so dass sich das Schicksal denkt: Alles klar, dann stirbst du eben doch nicht bei einem Autounfall!
Samantha war zunehmend fertiger, ihr schien alles aus den Fingern zu gleiten, obwohl sie mit allen Mitteln versucht die Kontrolle zu behalten und doch eigentlich auch ahnt, was auf sie zukommt.
So war ich irgendwann Seite für Seite auch verwirrter, nicht weil der Schreibstil nicht mehr klar und deutlich gewesen wäre, sondern weil ich als Leserin einfach mitgelitten habe.
Ich konnte Samanthas körperliche Erschöpfung nachempfinden – was für ein Chaos!

Ich habe wirklich viel von dieser Geschichte erwartet – aber genau das habe ich auch bekommen.
Sie ist tiefgründig und regt zum Nachdenken an. Doch was ich besonders erstaunlich fand? Es ist gar nicht unbedingt so, dass man sich denkt na klar, nach dieser Geschichte wird alles anders. Jetzt wo man erleuchtet ist, wird man sich auf jeden Fall besser seinem Gegenüber verhalten… Viel eher durchleuchtet sie einmal alles und zeigt auf, welches Handeln einen zu welchem Ziel führt. Wie wir uns selbst und andere damit beeinflussen können, selbst wenn es keine böse Absicht ist. Es wird auch niemand durch sein Verhalten an den Pranger gestellt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Und das ist etwas, was man nie vergessen sollte.

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7 Comments

  1. Ich fand das Buch so schrecklich, der Schreibstil hat mir gar nicht gefallen und die Geschichte hat sich so gezogen. aber bei diesem Buch gehen die Meinungen wirklich arg auseinander 😀

    1. Haha
      Ich finde es immer wieder super interessant, wie unterschiedlich so ein Buch rüberkommen kann! 😉
      Aber zum Glück sind Geschmäcker unterschiedlich, sonst wäre es ja auch langweilig.

      LG ❤ Jill

        1. Da kann ich die nur zustimmen!
          Ich mag kritische Rezensionen auch sehr gern, manche Bücher reizen mich dadurch umso mehr 😉

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